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Cho Oyu Expedition - Traum und Tragödie

, Peter mit Andy Peisser
  1. Anreise und Sightseeing in Kathmandu
  2. Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
  3. Unterwegs am Cho Oyu - das Abenteuer beginnt
  4. Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
  5. Abschließende Gedanken
  6. Gosainkund-Helambu Trek - Trekking vor den Toren Kathmandus
  7. Informationen und Hinweise

Es stand eigentlich nicht mehr in meiner bergsteigerischen Lebensplanung, jemals einen 8000er zu versuchen. Als Familienvater hat man eine gewisse Verantwortung und eine solche Besteigung ist ja eine Aktion, die keinesfalls als 'ungefährlich' eingestuft werden sollte. Außerdem war Barbaras Aussage zum Thema '8000er' immer: 'Wenn du auf einen 8000er gehst, dann will ich einen Hund!' Und nachdem ich es nicht so mit diesen Vierbeinern habe, war es eigentlich kein Thema.

Bis zum 29. September 2016 jedenfalls. Denn da erhielt ich von meinem Freund Andy Peisser, seines Zeichens seit gut 20 Jahren Bergführer, ein Email mit folgendem Inhalt:

...darf ich mal eine Frage fragen ...
hättest du in ca. 2 oder 3 Jahren, also 2018 oder 2019 Motivation (und Kohle) auf einen einfachen 8000er in Nepal oder Tibet, z. B. Shisha Pangma oder Cho Oyu...

Das änderte die Diskussionsgrundlage natürlich etwas. Gemeinsam mit Andy hatte ich seinerzeit mit dem Bergsteigen begonnen, er hat es zwar dabei etwas weiter gebracht als ich, aber hin und wieder lassen wir die alten Zeiten für die eine oder andere Aktion wieder hochleben. Eine gemeinsame Tour auf einen 8000er wäre für uns beide eine gewisse Krönung unserer Bergsteiger-Laufbahn. In dieser Konstellation, als Freunde, mit einem Profi, ließ sich Barbara breitschlagen, auch ohne Hund (wer würde auch in aller Früh gassigehen?) ihre Zustimmung zu diesem Abenteuer zu geben.

Für 2018 war zu diesem Zeitpunkt schon die Expedition zum Mustagh Ata mit Barbara geplant. So fiel der Termin auf das Frühjahr 2019, da Andy hier leichter von der Bergführerei eine Auszeit nehmen konnte, und unsere Tochter ihre letzten Monate in der Volksschule verbringen würde, also der Ablauf zu Hause gewohnt sein würde.

Nachdem der Entschluss, uns gemeinsam auf dieses Abenteuer einzulassen gefällt war, ging es daran zu überlegen, in welchem Stil wir das ganze Unternehmen angehen wollten. Als Bergführer hat Andy natürlich viele Kollegen, die schon auf 8000ern unterwegs waren. Von unserem ursprünglichen Plan, einzig mit einer lokalen Agentur unterwegs zu sein, rückten wir aufgrund Andys Gesprächen mit seinen Kollegen bald ab. Praktisch alle empfahlen uns, die Expedition mit einem westlichen Anbieter zu unternehmen. Im Notfall hat man so weniger Kommunikationsprobleme und einen mächtigeren Apparat im Hintergrund. Was wir aber trotzdem beibehalten wollten, am Berg selbst, möglichst eigenständig unterwegs zu sein. Kein Sherpa, der uns vorne zieht und hinten schiebt ;-). Von SUMMITCLIMB wusste ich schon, dass man sich dort nach persönlichem Ermessen verschiedene Pakete buchen könnte. Außerdem hatte ich mit Felix Berg, dem Leiter von SUMMITCLIMB Europa, inzwischen guten Kontakt. So fiel die Entscheidung das Ganze mit 'Basecamp Service' (sprich All Inclusive bis inkl. Basecamp und am Berg eigenständig unterwegs)) zu machen, und über SUMMITCLIMB zu buchen.

Vielen Dank an die Unterstützer dieser Expedition:

Die Expedition wurde unterstützt von:
DCCS IT Business Solutions
Die Expedition wurde unterstützt von:
Österreichischer Alpenverein Sektion Voitsberg
Die Expedition wurde unterstützt von:
HighPerformance Leistungsdiagnostik
Die Expedition wurde unterstützt von:
Northland Professional

, Anreise und Sightseeing in Kathmandu

Und so trug es sich letztendlich zu, dass Andy und ich uns am 5. April in Wien am Flughafen trafen. Von hier ging es mit der Air India Richtung Kathmandu. Diese Fluglinie hat den großen Vorteil, dass man 2 mal 23 Kilogramm Großgepäck ohne Zusatzkosten aufgeben kann. In unserem Fall nicht unerheblich, mit Basecamp-Service mussten wir für die Hochlager Zelte, Kocher, Lebensmittel etc. selbst dabeihaben. Nach einem relativ entspannten Flug trafen wir mit etwas Verspätung in Kathmandu ein. Da es aufgrund des Wetters zuvor einen kleinen Stau in der Luft gab, war der Andrang am Einreise Terminal enorm.
Wichtig für Nepal Einreisende: Das Visum für Nepal kann man am Flughafen ausstellen lassen. Entweder man füllt den Visa-Antrag per Hand aus oder man benützt einen der Kiosk-Computer vor Ort. Damit kann man auch gleich das Foto machen. Hier findest Du Details zum Einreisevisum Nepal.

Mit einiger Verspätung verließen wir den Flughafen, und siehe da, trotz mehr als 2 Stunden Verspätung wartete, unter den vielen vielen Angestellten von anderen Agenturen, auch jemand mit dem Schild 'Summitclimb'. Kurze Zeit später fanden wir uns im Hotel Shakti, im Touristenviertel von Kathmandu 'Thamel', ein. Dort trafen wir auf unsere restlichen Expeditionsteilnehmer und auch viele andere Gruppen von Summitclimb. Für die Expeditionen zum Everest Nord und Süd, sowie Lotse und Cho Oyu als auch zu den diversen BC Treks, sind hier viele Summitclimb/-travel Gruppen untergebracht. Eine interessante Mischung.

Jetzt gibt es Zeit für ein erstes Kennenlernen, letzte Besorgungen, und vor allem die Organisation der Visa für Tibet. Diese können bei Einreise von Nepal erst hier in Kathmandu beantragt werden. Die Willkür der chinesischen Behörden sollte uns jetzt einige zusätzliche Tage in Kathmandu bescheren. An einem Tag hatten wir alle gemeinsam ein Briefing für die bevorstehenden Expeditionen. Schon irgendwie schräg, wenn die Leute dann so bei der Vorstellungsrunde erzählen, sie gehen zu Everest, Lotse etc. als wäre es die natürlichste Sache der Welt - und es sind nicht alles Extrembergsteiger! Im Gegenteil, es ist genau so, wie man es in den Medien mitbekommt, vor allem am Everest.

Wie gesagt, wir hatten Aufgrund der Verzögerung mit dem Tibet/China Visum ein paar Tage mehr in Kathmandu. Andy war ja bereits einige Male dort und so kam ich in den Genuss eines privaten 'Reiseführers'. Wir besuchten in diesen Tagen einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Kathmandu. Swayambhunath alias Monkey Tempel, den [https://de.wikipedia.org/wiki/Durbar-Platz_(Kathmandu) Hanuman-Dhoka Durbar Square], die größte Stupa in Kathmandu Boudhanath, Pashupatinath eine der wichtigsten Tempelanlagen des Hinduismus, und den Patan Durbar Square ... danach war es aber genug der Kultur und es wurde Zeit, dass es endlich los ging!

Sightseeing Kathmandu
Unterwegs in Thamel - dem Touristenviertel von Kathmandu
Sightseeing Kathmandu
Unterwegs in Thamel - dem Touristenviertel von Kathmandu
Sightseeing Kathmandu
Swayambhunath - Monkey Tempel
Sightseeing Kathmandu
Swayambhunath - Monkey Tempel
Sightseeing Kathmandu
Hanuman-Dhoka Durbar Square
Sightseeing Kathmandu
Hanuman-Dhoka Durbar Square
Sightseeing Kathmandu
Boudhanath - die größte Stupa in Kathmandu
Sightseeing Kathmandu
Boudhanath - die größte Stupa in Kathmandu
Sightseeing Kathmandu
Pashupatinath - eine der wichtigsten Tempelanlagen des Hinduismus
Sightseeing Kathmandu
Pashupatinath - eine der wichtigsten Tempelanlagen des Hinduismus
Sightseeing Kathmandu
Patan Durbar Square
Sightseeing Kathmandu
Patan Durbar Square

, Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp

Am 11. April ging es endlich los. Die zweitägige Reise nach Tingri begann um 3 Uhr in der Früh. Die Challenge an diesem Tag, die 150 Kilometer bis zur chinesischen Grenze vor Dienstschluss der chinesischen Grenzbeamten zu schaffen. Das klingt nicht sonderlich schwierig, was sind schon 150 Kilometer. ABER, die Straße durch das Trishuli Tal, welches den Himalaya Hauptkamm von Nord nach Süd durchschneidet, ist ein Abenteuer für sich. Das Geholpere auf den Straßen von Kathmandu ist für den verwöhnten Mitteleuropäer schon gewöhnungsbedürftig. Die Straße an die Grenze ist nochmal viel schlimmer. Jeder Forstweg ist bei uns besser zu fahren. Nach dieser Strecke braucht man kein Rüttel-Schüttel-Kino mehr. Natürlich ging es nicht ohne Pannen. Einmal rauchte es schwarz unter dem Bus hervor, das war aber mit einem Schraubenzieher und -schlüssel schnell behoben; und einmal hatten wir eine Reifenpanne. So dauerte die Fahrt bis zur Grenze dann satte 10 Stunden.

Kurz vor der Grenze mussten wir bei einem nepalesischen Kontrollposten die Pässe abgeben, damit diese entsprechend gestempelt werden. Irgendwie war da plötzlich Hektik, wir mussten gleich weiter mit dem Bus zur Grenze, dass wir die Pässe noch nicht hatten, hat von unseren Guides keiner so richtig mitbekommen. Dann war direkt an der Grenze wieder die große Aufregung wie wir wieder zu unseren Pässen kommen sollten. Der Kontrast der Grenzposten könnte größer nicht sein. Auf Nepali-Seite eine Baracke, mit ein paar Soldaten, die das Gepäck durchsehen. Auf chinesischer Seite ein monumentaler Bau mit allen möglichen Checks. Das Wichtigste aber: ja kein Bild (weder am Handy noch in einem Buch) vom Dalai Lama dabeihaben. Das mögen die Chinesen gar nicht. Die große chinesische Datenbank hat dann ratz fatz meine Fingerabdrücke von unserer Mustagh Ata Expedition wiedererkannt und so war diesmal die Einreise auf nepalesischer Seite chaotisch aber auf chinesischer problemlos.

Bei der chinesischen Grenze wurden wir von unserem 'Land-Officer' von der CTMA (China Tibet Mountaineering Association), welche die Aufsicht und Überwachung der Expeditionen in Tibet vornimmt, erwartet. Die nächsten eineinhalb Stunden Autofahrt auf bestens ausgebauten chinesischen Straßen waren ein Genuss für unsere durchgeschüttelten Knochen. Am späten Nachmittag trafen wir in Gyirong Stadt ein. Bis zum Abendessen schauten Andy und ich uns noch etwas in der Stadt um.

Am kommenden Tag machten wir alle gemeinsam, die Gruppen für Everest Nord und Cho Oyu waren hier ja noch gemeinsam unterwegs, eine gemütliche Akklimatisationswanderung zu einem wunderschönen See vor beeindruckender Bergkulisse. Wir erreichten an diesem Tag eine Höhe von etwa 3500 Metern.

Am nächsten Tag ging es nach Tingri. Die Fahrt war aufgrund der gut ausgebauten chinesischen Straßen wesentlich angenehmer. Die Herausforderung, wir mussten über den knapp 5200 Meter hohen Kongtanglamu Pass. Da oben ist die Luft schon ganz schön dünn, vor allem, wenn man so schnell mit dem Auto rauf kommt. Einem unserer Expeditionsteilnehmer ging's beim Runterfahren vom Pass gar nicht gut und er musste Medikamente nehmen. Unterwegs verlor eines unserer Fahrzeuge noch ein Rad, aber auch das war bald wieder eingesammelt und repariert. Am Nachmittag erreichten wir Tingri - jetzt waren wir auf 4200 Metern Seehöhe. Die Reise von Kathmandu hierher ist höhentechnisch nicht ohne, denn in Tingri hat man so leicht keine Möglichkeit mehr, tiefer runter zu kommen, für den Fall, dass es einem mit der Höhe nicht gut geht! Am Nachmittag machten wir einen kleinen Stadtspaziergang und staunten wiedermal über den Kontrast zwischen traditioneller Baukultur und chinesischen Brachialbauten. Wir sahen erstmals unser Ziel, den Cho Oyu. Auch den Mount Everest kann man von Tingri aus sehen, schon irgendwie ein außergewöhnliches Gefühl.

Am nächsten Tag machten wir eine Akklimatisationswanderung auf einen Hügel östlich von Tingri. Es gibt zwar nur im ersten Teil des Aufstiegs einen Weg, aber das Gelände ist einfach und wir erreichten eine Höhe von knapp 4900 Metern. Das ist so in etwa die Höhe, auf der wir am nächsten Tag im Chinese Basecamp übernachten sollten. Wir wären gerne noch ein/zwei Tage in Tingri geblieben, doch durch die Verzögerungen wegen des China-Visas in Kathmandu, hinkten wir unserem Zeitplan etwas hinterher. So hieß es den Körper schonen, viel trinken und ihm möglichst die Chance zum Akklimatisieren geben.

Inzwischen gibt es eine Asphaltstraße von Tingri bis ins Intermediate Camp (ca. 5500 m) am Cho Oyu. Wir verbrachten drei Nächte im Chinese Basecamp, welches ca. 40 Kilometer von Tingri entfernt ist.

Ab dem Chinese Basecamp, welches direkt neben der Straße liegt, hieß es im Zelt schlafen. Unsere Begleitmannschaft hatte schon alles aufgebaut und wir brauchen nur noch die Zelte zu beziehen. Bald stand das erste Abendessen im Gemeinschaftszelt an. Wie immer bei solchen Unternehmungen waren wir anfangs noch voll begeistert, was es alles gibt und wie gut es schmeckt. Leider verändert sich der Geschmack mit zunehmender Höhe und Dauer einer Expedition, und auch das beste Essen wird zunehmend schwerer runterzubringen. Insgesamt ist das tibetische Hochland eine ausgesprochen trockene, windige und sandige Angelegenheit. Um die Atemwege zu schützen, empfiehlt es sich, so viel wie möglich mit einem Buff o. Ä. vor dem Mund unterwegs zu sein. Ein Infekt der Atemwege hat schon so manchen Höhenbergsteiger um den Gipfel gebracht.

An den folgenden Tagen unternahmen wir Akklimatisationswanderungen. Die Gruppe teilt sich dabei etwas auf und so spazierten wir auch mal alleine herum. Am ersten Tag wanderte ich auf einen ca. 5700 Meter hohen Hügel westlich des BCs. Vom Gipfel hat man eine schöne Aussicht auf den Cho Oyu und auch auf die umliegende Gegend. Man kann auch einige Möglichkeiten für weitere Wanderungen um das Basecamp auskundschaften. Ohne Probleme lassen sich hier mit etwas Spürsinn einfache Wanderungen bis in eine Höhe von 6000 Metern unternehmen. Meist ist man zwar mehr oder weniger weglos unterwegs, aber das Gelände ist einfach zu gehen. Tags darauf sah ich mir die Ostseite des Tals genauer an und stieg wiederum auf ca. 5700 Meter auf. Mit der Höhe ging es mir relativ gut, nur in der Früh etwas Kopfweh, welches mit etwas Aktivität aber schnell vergeht. Andy hatte überhaupt keine Probleme, hatte er sich ja vor unserer Abreise eine Arbeitswoche in der Monte Rosa Gruppe eingeteilt.

Wir verbrachten drei Nächte im Chinese Basecamp auf knapp 5000 Metern. Das war für die Akklimatisation schon mal ganz gut. Am Donnerstag dem 18. April ging es endlich los Richtung Berg. An diesem Tag stiegen wir ins IBC (Intermediate Camp) auf. Dieses liegt auf einer Höhe von 5400 Metern. Der Weg dorthin folgt der Asphaltstraße. Über Nacht hat es geschneit und die Straße war teilweise ganz schön eisig und glatt. Vom BC ins IBC sind es knapp über 8 Kilometer und 500 Höhenmeter. Am Nachmittag erreichte unser Expeditions-Truck mit der gesamten Ausrüstung das IBC. Als ich ein paar Fotos machte, wurde ich sofort von den chinesischen Soldaten, die dort einen Militärposten bemannen, ermahnt - Photos von Militär und Polizei 'nix gut' in China!

Andy und ich halfen unserer Begleitmannshaft beim Entladen des Trucks, wir schafften das nicht, einfach nur herum zu stehen während andere für uns arbeiten. Den Rest des Tages verbringen wir mit dem Freischaufeln der Zeltplätze, Aufstellen der Zelte und im Gemeinschaftszelt. Von hier gibt es die letzte, wenngleich schwache, Mobilfunk Verbindung um ggf. noch eine SMS oder sowas nach Hause zu senden. Gegen Abend traf die Yak-Herde ein, die den Transport der Ausrüstung bis in das ABC (Advanced Base Camp) übernehmen sollte.

Tags darauf wurden am Vormittag die Yaks beladen. Von der 40 kg Gewichtsbeschränkung pro Yak ist jetzt nicht mehr viel zu sehen, es muss einfach alles auf die verfügbaren Tiere verladen werden. Etwa zu Mittag machten wir uns auf den Weg. Es ist erstaunlich, wie geländegängig die Yaks sind. Die Chinesen bauten zwar eine Art Straße Richtung ABC, aber nach dem Winter und dem letzten Monsun schaut die über weite Strecken nicht mehr so gut aus. Andy und ich benötigten etwa vier Stunden für die 10 Kilometer ins ABC. Wir kamen dort gegen 16 Uhr an. Das Wetter war nun schlecht, es schneite stark. Als erstes hieß es, sein Gepäck zu finden, von den Yaks wurde das einfach dort abgeladen/-worfen wo die Yaks stehen geblieben sind. Als nächstes hieß es, wieder schneeschaufeln, um einen gemütlichen Platz für unsere Zelte zu haben. Schließlich sollten wir drei Wochen hier verbringen, da darf es schon etwas gemütlicher sein.

Wir hatten schon unsere Zelte aufgebaut und uns etwas eingerichtet, da war von den anderen noch immer nichts zu sehen. Es war inzwischen 17:30 und wir beginnen, uns Sorgen zu machen, in einer Stunde würde es dunkel werden. Wir hatten schon das Nötigste in den Rucksack gestopft, Stirnlampe, Getränk, Kleidung ..., und wollen den Anderen entgegengehen. Als wir Phujung, dem Chef unserer Sherpa-Mannschaft Bescheid gaben, schickte dieser jedoch jemanden aus seiner Gruppe los. Nach einiger Zeit trudelten dann doch die nächsten Teilnehmer ein und letztendlich kamen auch alle, mehr oder weniger erschöpft, im ABC an. Unsere kanadischen Expeditionsteilnehmer wollten an diesem Tag wieder zurück ins IBC (sie hatten nur Basic-Service, sprich ab BC ohne Unterstützung), das ging sich aber nicht mehr aus. Da sie weder Kocher noch Lebensmittel dabeihatten, war es für uns selbstverständlich, dass auch sie aus der Expeditionsküche Etwas zu essen bekamen.

Nach etwa zwei Wochen seit der Abreise war nun das ABC, der Ausgangspunkt für die Besteigung des Cho Oyu erreicht, die Expedition konnte also jetzt losgehen! Wir waren vorerst die einzige Expedition am Berg.

Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Am Weg durch das Trishuli Tal, hier ist die Straße noch relativ gut :-)
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Manchmal wir es etwas eng!
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Welch Kontrast, Grenzposten Nepal im Vordergrund, Grenzstation China im Hintergrund
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Wanderung zum See von Nitsun
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Unser Cho Oyu Team ist guter Laune
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Am Kongtanglamu Pass, Eintritt in das Qomolangma Natur Reservat
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Wir sehen erstmals unser Ziel, den Cho Oyu
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Blick auf Tingri bei unserer Akklimatisationswanderung
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Stefanie, Mark und Andre beim Aufstieg auf den 'Mount Tingri'
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Das Chinese Basecamp, ein etwas unwirtlicher Ort
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Blick auf den Cho Oyu, der wenige Schnee wird in den nächsten Tagen auch noch verblasen
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Akklimatisationswanderungen rund um das Chinese Basecamp
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Am Weg ins Intermediate Camp, über Nacht ist Schnee gefallen
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Braucht ganz schön viel Zeugs so eine Expedition
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Der Aufstieg ins Advanced Basecamp beginnt, ab hier schleppen die Yaks
Anreise und Akklimatisation - von Kathmandu nach Tingri und ins Base Camp
Wir erreichen das ABC (Advanced Base Camp)

, Unterwegs am Cho Oyu - das Abenteuer beginnt

Wie eingangs erwähnt, hatten Andy und ich bei SUMMITCLIMB Basecamp Service gebucht. Das heißt ab nun waren wir eigenverantwortlich am Berg unterwegs. Wir würden alles selbst tragen, alle Lager selbst aufbauen aber auch mit unserer eigenen Taktik und in unserem Rhythmus am Berg unterwegs sein. Das ABC liegt auf etwa 5700 Metern, also schon ordentlich hoch - eigentlich zu hoch. Über der Grenze von etwa 5500 Metern kann sich der Körper nicht mehr vollständig an die Höhe anpassen und man wird eigentlich nur noch schwächer. Derweilen ging es höhentechnisch aber gut, und das ganze ohne Diamox. Viele aus unserer Gruppe hatten es ja schon prophylaktisch ab Kathmandu genommen. Worauf wir uns schon mal einstellen konnten, relativ tiefe Temperaturen in der Nacht. Oft hatte es so zwischen -8 bis -10 Grad im Zelt. Das bedeutet schlafen mit Haube und immer einen Saum aus gefrorener Atemluft am Schlafsack, irgendwie nicht 100%ig gemütlich.

Nach einem Ruhetag brachen wir zu unserem ersten Materialtransport auf. Auch unsere Sherpa-Mannschaft transportierte an diesem Tag Equipment der Full-Service Teilnehmer ins Zwischenlager am Fuße des Killerhangs. Andy und ich trugen Zelt, Kocher, Kletterausrüstung etc. bis an die Stelle, wo der Anstieg den Gyabrag-Gletscher verlässt. Die Sherpas starteten zwar etwas vor uns, aber bald hatten wir sie eingeholt und übernehmen die Spurarbeit im, in den letzten Tagen gefallenen, Neuschnee. Speziell in den Morgenstunden ist der Weg über den Gyabrag-Gletscher sehr schön. Die aufgehende Sonne lässt die Eistürme blau erstrahlen. Als wir zurück ins ABC kamen, hatte unsere Mannschaft leckere Burger zubereitet. Unglaublich, was unser Koch mit den einfachen Möglichkeiten vor Ort auf die Beine stellte.

Nach einem Rasttag wollten wir erstmals das Camp 1 auf ca. 6400 m erreichen. Andy startete schon sehr früh, da er lieber im Kühlen unterwegs ist. Ich gönnte mir noch das Frühstück und mache mich dann auf den Weg. Bis zu unserem Materialdepot war das Gepäck noch relativ leicht, wurde mit dem restlichen Zeug dann doch ordentlich schwer. Nach der Steilstufe zum Zwischenlager konnte ich erstmals einen Blick auf den Killerhang werfen. Sieht nicht gemütlich aus. Speziell da wir die erste Expedition in diesem Frühjahr waren, waren nicht mal ansatzweise Wege ausgetreten. Ich versuchte, die verbliebenen Schneefelder für den Aufstieg zu nutzen, ging immer noch leichter als im Geröll. Der Hang kostete einiges an Motivation. Wo es flacher wurde, sah man bereits den Grat, hinter dem sich Camp 1 verbirgt. Der Weg bis dorthin zieht sich. Als ich ankam, hatte Andy schon mal einen super Platz für unser Zelt gefunden und selbiges bereits aufgebaut. Jetzt hieß es erstmal Schnee schmelzen und versuchen, was zu essen. Die Nacht in dieser Höhe war für uns beide nicht gut, schlafen konnten wir nicht wirklich viel.

Mit dem ersten Licht des Tages schälten wir uns aus unseren Schlafsäcken. Heute wollten wir den Weg Richtung Camp 2 erkunden, speziell auf den Zustand des Eisfalles, einer der Schlüsselstellen der Route, waren wir sehr gespannt. Nach einem bescheidenen Frühstück machten wir uns auf den Weg. Es waren noch keine Fixseile verlegt. So war es richtiges Bergsteigen. Die Eisaufschwünge nach C1 sind steiler als aus verschiedenen Fotos bekannt. Wir waren über jeweils ein Eisgerät und einen Pickel dankbar. Es war ein großer Unterschied, ob man sich hier am Fixseil hochzieht oder selbständig klettert. Ich war froh, als wir die flachere Passage erreichten, die zum Fuß des Eisfalls führt. Hier gilt es auf einige Gletscherspalten zu achten. Am Fuße des Eisfalls war unser höchster Punkt für diesen Tag erreicht. Der Eisfall sah nicht gut aus, sehr viel Blankeis und sehr steil. Sah komplett anders aus als auf den meisten Fotos aus dem Internet. Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf den Rückweg, wir hatten etwa 6700 Meter erreicht.

Der Abstieg war ohne Fixseile über die steilen Passagen nochmals anspruchsvoll. Ab dem Camp 1 ging es aber wie geschmiert zurück ins ABC, wo wir gerade rechtzeitig zum Mittagessen am frühen Nachmittag eintrafen. Wir merkten, dass der ständige Aufenthalt auf über 5700 Metern doch an uns zehrt und beschlossen, zwei Ruhetage einzulegen. Während Andy, ein begeisterter Hobby-Ornithologe, die Vogelwelt um das ABC erkundet, vertiefe ich mich auf spannende Lektüre am E-Bookreader - übrigens ein sehr zu empfehlendes Tool für so eine Unternehmung.

Am frühen Morgen des 27. April machten wir uns wieder auf den Weg ins Camp 1. Durch die immer bessere Akklimatisation ging es schon wesentlich leichter. Im Camp 1 trafen wir auf die anderen Teilnehmer, sie waren am Vortag zu C1 aufgestiegen. Inzwischen hatte auch unsere Sherpa-Mannschaft einige Fixseile über die Steilaufschwünge nach C1 verlegt und arbeitet nun am Eisfall. Irgendwie schien aber nix weiterzugehen. Ein Sherpa hing ewig im unteren Drittel des Eisfalls, bis wir sahen, dass sie umdrehten. Später am Nachmittag vereinbarte Andy mit den Sherpas, dass wir uns morgen Früh am Eisfall treffen, und wir gemeinsam versuchen, den Eisfall einzurichten. Die Nacht war ähnlich bescheiden wie beim letzten Mal, gefühlt machten wir kein Auge zu. Was in so einer Situation tröstet, ist die Erfahrung aus früheren Expeditionen und von diversen Trailrunning Events, dass eine Nacht ohne Schlaf eher ein psychologisches als körperliches Problem darstellt, und so nicht so schlimm ist.

Durch die schlaflose Nacht hielt es uns nicht sonderlich lange im Schlafsack und wir machten uns wieder früh Richtung Eisfall auf. Die inzwischen vorhandenen Fixseile erleichterten den Weg etwas. Der Eisfall selbst lag noch im Schatten und es war bitter kalt. Andy richtete am Fuß des steilsten Stückes einen Standplatz ein und begann dann mit der Kletterei. Es war richtiges, steiles Eisklettern in blankem Gletschereis, und das Ganze auf 6700 Metern Höhe. Zum Glück hatten wir ein paar Steileis-Eisgeräte mitgebracht, die natürlich Andy im Vorstieg überlassen wurden. Es brauchte eine Zeit, bis sich Andy die knapp 50 Meter bis zu ein paar Schlingen knapp unter der Kante wo es wieder flacher wird, vorgekämpft hatte. Ich zitterte inzwischen und die Füße waren trotz Expeditionsstiefeln eiskalt. Dann ging es auch für mich los. Ich kletterte mit zwei normalen Pickeln. Es war brutal anstrengend in dieser Höhe und Steilheit, höchsten Respekt für den Vorstieg in dieser Seillänge. Ziemlich ausgepumpt kam ich bei Andy an. Jetzt erstmal über die Kante und in der Sonne, die uns hier zum Glück entgegen strahlte - etwas rasten.

Nach der Pause gingen wir weiter, über ein paar sanfte Aufschwünge erreichten wir eine große flache Ebene vor dem Gletscherbruch, durch den der Weg weiter Richtung Camp 2 führt. Auch hier leuchtete uns blau das Blankeis entgegen. Der Aufstieg bis hierher, auf etwa 6900 Meter, hatte doch Substanz gefordert. Gemeinsam mit den eisigen Verhältnissen für den Weiterweg, beschlossen wir hier ein Depot für unser Hochlagerzelt zu machen, und wieder abzusteigen. Beim Abseilen über den Eisfall, richtete Andy mit allerhand herumhängendem alten Seil, noch ein provisorisches Fixseil ein. Dieses sollte den Sherpas eine Hilfe geben, um ein ordentliches neues Fixseil anzubringen. Beim weiteren Abstieg trafen wir auf unsere Sherpa-Mannschaft, sie wollten an diesem Tag den Weg bis C2 versichern. Phujung lieh sich von Andy noch die Steileisgeräte, und ich versprach ihm eines meiner Biere im ABC. Wir hätten nicht damit gerechnet, dass es das letzte Mal gewesen sein sollte, ihn zu sehen! Wir verabschiedeten uns und stiegen weiter nach C1 ab. Wir beobachteten noch, dass die Sherpas trotz Andys Seilversicherung, relativ lang im Eisfall herumhingen. Wir machten uns dann aber auf den Weg ins ABC.

Der weitere Plan war ein paar Tage nach Tingri abzusteigen, uns dort zu erholen und dann einen Gipfelvorstoß zu versuchen. Unsere kanadischen Kollegen mit Basic-Service, blieben in dieser Zeit am Berg. So ging's am nächsten Tag gemeinsam mit den Full-Service Teilnehmern ins Intermediate Camp und von dort mit dem Minibus nach Tingri. Wir stiegen wieder im Basecamp Hotel ab. Diesmal hatten wir zum Glück ein netteres, und vor allem wärmeres Zimmer. Man muss schon zugeben, dass eine Dusche und ein ordentliches Bett schon ziemlich nett sein können. Beim Abendessen fällt uns zwar auf, dass Expeditionsleiter Martin mal länger zum Telefonieren raus ist, aber wir dachten uns noch nichts dabei.

Unterwegs am Cho Oyu
Wir haben ein gemütliches Basecamp, wir sind derweilen die einzige Expedition am Cho Oyu
Unterwegs am Cho Oyu
Unser gesamtes Team bei der Puja, der traditionellen Zeremonie am Beginn der Expedition!
Unterwegs am Cho Oyu
Andy und ich am Ruhetag, chillen mit Panorama
Unterwegs am Cho Oyu
Am Weg ins Camp 1 am Rande des Gyabrag-Gletscher
Unterwegs am Cho Oyu
Morgenstimmung beim Aufstieg nach Camp 1
Unterwegs am Cho Oyu
Am Gyabrag-Gletscher, wir nannten diese Stelle mit der Leiter 'Little Khumbu'
Unterwegs am Cho Oyu
Der Killerhang hält was der Name verspricht
Unterwegs am Cho Oyu
Unser Zelt in Camp 1, mit Blick auf den weiteren Aufstiegsweg
Unterwegs am Cho Oyu
Frühstück in Camp 1 auf 6400 Metern
Unterwegs am Cho Oyu
Morgenstimmung und Blick auf den Weg nach Camp 1 am Cho Oyu
Unterwegs am Cho Oyu
Wir legen die erste Spur Richtung Camp 2
Unterwegs am Cho Oyu
Ohne Fixseile hieß es hier richtig Klettern!
Unterwegs am Cho Oyu
Ich beim Aufstieg oberhalb von Camp 1
Unterwegs am Cho Oyu
Der flachere Teil vor dem 'Icefall' ist erreicht, gewaltiges Panorama
Unterwegs am Cho Oyu
Blick auf den 'Icefall', normalerweise liegt hier so viel Schnee, dass man mit Skiern runter fahren kann, leider diesmal nicht
Unterwegs am Cho Oyu
Andy richtet einen Stand am Fuße des 'Icefall' ein, Eisklettern auf 6800 Metern wartet auf uns
Unterwegs am Cho Oyu
Andy im 'Icefall'
Unterwegs am Cho Oyu
Wir erreichen das zweite Plateau, und sind beide schon etwas angefroren
Unterwegs am Cho Oyu
Am zweiten Plateau, im Gletscherbruch hinter mir verunglückte Phujung
Unterwegs am Cho Oyu
Blick vom zweiten Plateau Richtung Camp 2
Unterwegs am Cho Oyu
Andy beim Abstieg Richtung Camp 1
Unterwegs am Cho Oyu
Abstieg kurz oberhalb des Killerhangs
Unterwegs am Cho Oyu
Die Nacht senkt sich über den Cho Oyu
Unterwegs am Cho Oyu
Andy und ich haben als Erinnerung an Phujung einen Tschörten gebaut

, Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert

Es war der Morgen des 30. April. Wir saßen gerade beim Frühstück, als uns Expeditionsleiter Martin eröffnete, dass der Chef unserer Sherpas am Vortag auf ca. 7000 Metern Höhe, beim Verlegen von Fixseilen, ausgerutscht ist und 50 Meter tief in eine Gletscherspalte gestürzt ist. Er war auf der Stelle tot. Diese Nachricht traf uns aus heiterem Himmel. Wir waren schockiert - zwei Tage zuvor hatten wir noch miteinander gesprochen. Die folgenden Stunden und Tage waren nicht einfach für uns. Andy und mich traf der Unfall besonders, da wir als Einzige der Gruppe selbst Kinder haben, die auch noch im selben Alter sind wie die von Phujung. Wir können uns in etwa vorstellen, was es im Moment für die Familie bedeuten muss, wenn der Vater und Ehemann nicht mehr nach Hause kommt. In so eine Situation wollen wir unsere Familien nicht bringen. Auch die Tatsache, dass er sein Leben lassen musste, als er für die Expeditionsgruppe gearbeitet hat, trifft uns sehr.

Bald war für Andy und mich klar - wir brechen die Expedition ab. Wir würden es nicht übers Herz bringen, ignorant an der Unfallstelle vorbeizugehen. Selbst ein Gipfelerfolg würde für immer einen negativen Beigeschmack haben. Zudem wurde es dramatische Realität, was der Anblick des Weges vermuten hat lassen, die Verhältnisse am Berg sind sehr schwierig. Phujung war ja kein Anfänger, bärenstark, schon auf vielen 8000er Expeditionen dabei und auf vielen Gipfeln. Wenn es ihn erwischen kann, sollte man sich als Tourist nicht einbilden, man sei vor so einem Unfall gefeit. Wir beschlossen an diesem Vormittag auch eine Spendenaktion für die Familie von Phujung zu initiieren.

Die folgenden Tage verbrachten wir in Tingri, Expeditionsleiter Martin musste von hier zwischen den chinesischen Behörden, dem Team im ABC und der Familie in Kathmandu vermitteln. Der Umgang mit der Situation der restlichen Gruppe war unterschiedlich und schockierte uns zum Teil. Teilweise ließ man die Situation mehr oder weniger unkommentiert über sich ergehen, es gab aber auch Aussagen wie 'Am Everest sterben doch dauernd Leute' oder 'Ich will es schon versuchen, schließlich hab ich doch 20000 Euro für die Expedition bezahlt'. Dieses Verhalten konnten und wollten wir nicht nachvollziehen. Einen definitiven Entschluss traf außer uns aber niemand.

Letztendlich wurde die Entscheidung über den weiteren Verlauf der Expedition am Abend des 2. Mai von Expeditionsleiter Martin verkündet. Er hatte den Expeditionswetterbericht verfolgt und der verhieß für die nächsten Tage nichts Gutes. Ab 4. Mai sollte das Wetter in der Höhe sehr stürmisch und schlecht sein, und zwar für mindestens eine Woche. So wäre an einen realistischen Gipfelversuch sowieso nicht zu denken gewesen. Für die anderen Expeditionsteilnehmer war die Entscheidung durch den Expeditionsleiter getroffen worden. Der weitere Plan sah vor, dass die Sherpas unser ganzes Material vom Berg holen sollten, da das Wetter schon ab dem Tag unseres Wiederaufstiegs nach ABC schlecht sein sollte.

Am 3. Mai stiegen wir wieder ins ABC auf. Obwohl es niemand wirklich eilig hatte, zeigte sich zumindest der körperliche Erholungswert des Aufenthalts in Tingri - wir brauchten für die Strecke gerade mal die halbe Zeit unseres ersten Aufstiegs. Das Wiedersehen mit unserer Sherpa-Mannschaft und unseren Expeditions-Kollegen aus Kanada, die auf den Abstieg nach Tingri verzichtet hatten, war zwar situationsbedingt traurig, aber dennoch herzlich. Für Mark aus Kanada war die Zeit besonders schwer, er war beim Unfall dabei, und durch die Abwesenheit von Martin vor Ort, unfreiwillig Ansprechperson für die chinesischen Behörden - im Allgemeinen kein Vergnügen. Natürlich gab es an diesem Tag auch viel zu bereden. Die Sherpas hatten es tatsächlich in einem Kraftakt geschafft, alles runterzuschaffen. Jetzt galt es, seine Trümmer wieder zusammenzufinden.

Am nächsten Tag war das Wetter bescheiden, die Schlechtwetterfront war wie angekündigt eingetroffen und es hatte im ABC schon geschneit. Andy und ich bauten etwas oberhalb des ABC zum Gedenken an Phujung einen Tschörten. Wir dachten dabei an die letzten Begegnungen und an seine Familie.

Am Nachmittag trafen die Yaks ein, und sehr früh am folgenden Morgen packten wir unsere Sachen und machten uns auf den finalen Abstieg. Wir hätten eigentlich zu Mittag nach Gyirong aufbrechen sollten, aber Martin hatte mit den chinesischen Behörden noch Etwas zu klären. So starteten wir die etwa fünfstündige Fahrt erst um 19 Uhr und trafen entsprechend spät in Gyirong ein. Auch der nächste Tag, zurück nach Kathmandu, war nochmal lang und nervenaufreibend. War bei der Hinfahrt die schlechte Straße in gewisser Weise aufregend, begannen wir nun jedes Schlagloch herbeizufürchten und wollten es einfach nur hinter uns haben. Gegen 22 Uhr erreichten wir Kathmandu und trafen im Hotel ein.

Wir waren eine knappe Woche früher wieder zurück als erwartet - was tun? Die anderen Expeditionsteilnehmer buchten ihre Flüge um und machten sich schon vorzeitig auf nach Hause. Für uns wäre das nicht wirklich möglich gewesen, denn wir kamen am Montagabend in Kathmandu an, und der einzige Flug der Air India in Richtung Wien geht am Mittwoch. Außerdem hätte es praktisch eine Neubuchung bedeutet und entsprechend gekostet. So beschlossen wir, noch eine kleine Trekkingtour zu unternehmen. Der Gosainkund-Helambu Trek bot sich an, denn er startet nach nur ca. 1,5 Stunden mit dem Taxi in Sundarijal.

Abschließende Gedanken

Auch ohne Gipfelerfolg war es für mich eine außergewöhnliche Reise. Land und Leute zu erleben, vor allem aber in alter Freund- und Kameradschaft mit Andy unterwegs zu sein, und diesmal nicht nur Sonnenstunden miteinander zu teilen, war eine besondere und tiefgreifende Erfahrung. Wir sind im Nachhinein auch immer noch überzeugt von unserer Entscheidung. Auch die Reaktionen unseres Freundeskreises und Umfeldes bestärkte und tröstete uns in dieser schwierigen Situation.

Letztendlich war der Cho Oyu in dieser Frühjahrssaison in Nepal und Tibet der einzige 8000er an dem eine Expedition unterwegs war, wo niemand den Gipfel erreichte. Das zeigt deutlich, dass es bei den 8000ern zum Gipfelerfolg mehr auf den Stil (Aufstieg über den Normalweg, exzessive Verwendung von Fixseilen und zusätzlichem Sauerstoff, sowie starke Sherpa Teams) ankommt, als auf die 'Schwierigkeit' des Berges.

, Gosainkund-Helambu Trek - Trekking vor den Toren Kathmandus

Üblicherweise wird der Gosainkund-Helambu Trek von Dhunche im Trishuli Tal gestartet. Auf der Hin- und Rückreise vom Cho Oyu waren wir dort vorbei gekommen. Von dort geht es zu den Gosainkunda Seen und den etwa 4600 Meter hohen Laurebina Pass nach Tharepati und von dort in weiteren zwei bis drei Tagen nach Sundarijal.

Wir wollten uns die 7 Stunden Busfahrt in das Tharepati Tal nicht nochmal geben uns starteten in Sundarijal. Dort kommt man kostengünstig mit dem Taxi in etwa eineinhalb Stunden Fahrzeit hin. Wir hatten insgesamt fünf Tage Zeit planten bis nach Tharepati zu gehen und von dort den Weg einfach wieder zurück. Letztendlich wurden es vier Trekkingtage mit folgenden Etappen:

1. Tag: Sundarijal - Chipling, 17,5 Kilometer, 1500 Hm+, 700 Hm-

2. Tag: Chipling - Tharepati, 19,5 Kilometer, 2000 Hm+, 700 Hm-

3. Tag: Herumwandern um Tharepati und Tharepati - Khutumsang, 10,6 Kilometer, 210 Hm+, 1300 Hm-

4. Tag: Khutumsang - Sundarijal, 25 Kilometer, 1300 Hm+, 2300 Hm-

Der Trek ist sehr interessant, weil man sich aus dieser Richtung den hohen Bergen langsam annähert und einen sehr guten Einblick in das richtige Leben in Nepal bekommt. Es gibt praktisch in jeder Ortschaft Lodges. Viel mehr als einen Tagesrucksack mit Hüttenschlafsack, Getränk und etwas Zusatzbekleidung braucht es nicht. Ebenso gibt es immer wieder Möglichkeiten, Getränke und etwas zu essen zu finden. Wir haben in Kathmandu eine Karte über den Trek gekauft. Gemeinsam mit dem Smartphone und der maps.me App haben wir den Weg ganz gut gefunden. Der Trek wurde in der Zeit, in der wir unterwegs waren, auch gerade zusätzlich beschildert.

Am 11. Mai fand auch der Gosaikunda to Helambu Trail Race, ein Marathon Trail mit Start in Cholong Pati statt. Er führt über den 4600 Meter hohen Laurebina Pass entlang des Gosainkund-Helambu Treks nach Meramchi. Dabei sind 42 Kilometer und 2300 positive und 3500 negative Höhenmeter zurückzulegen. Vor allem durch die Höhe eine ordentliche Herausforderung, ohne vorheriges Akklimatisieren geht dabei nix!

Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
Los geht's in Sundarijal, etwa 1,5 Stunden von Kathmandu entfernt
Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
Steinerne Stufen sollen wir auf diesem Trek noch zur Genüge kennen lernen!
Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
Unterwegs auf schönen Trails
Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
Der Trek gibt einen guten Einblick in das 'echte' Nepal
Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
Landarbeit schaut hier noch etwas anders aus
Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
Unsere erste Nacht verbringen wir im Ama Yangri Guest House in Chipling
Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
Wir erreichen Khutumsang
Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
Nepalesisches Hinterland
Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
Trail nahe Khutumsang
Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
Wir wandern durch Wälder von Rhododendren
Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
Inzwischen sind wir wieder auf über 3000 Metern Seehöhe
Die Tragödie - wie ein Moment alles verändert
Wir erreichen den Tharepati Pass, den Endpunkt unserer Trekkingtour

Informationen und Hinweise

SUMMITCLIMB.DE

Wie schon am Mustagh Ata waren wir auch diesmal mit summitclimb.de unterwegs. SUMMITCLIMB bietet eine Vielzahl von Expeditionen und Trekkingtouren weltweit. Im Gegensatz zu anderen Agenturen gibt es bei den meisten Expeditionen verschiedene Pakete. Vom Basispaket, wo praktisch nur Anreise und Permit inkludiert sind, über Basecamp-Service bis hin zur Full-Service Expedition, kann jeder Teilnehmer nach persönlichem Engagement und finanziellen Möglichkeiten, sein Paket wählen.

Wir haben diesmal das Basecamp-Service gewählt. Mit der Organisation, Service und Mannschaft waren wir sehr zufrieden. Insgesamt bieten die SUMMITCLIMB Expeditionen ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, da auf unnötigen Luxus verzichtet wird.

Infobox Kontakt
Link
Eamil
Download - Karten, Topos, Tracks ...
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Karte 1 Cho Oyu (Quelle: himalaya-info.org)
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Karte 2 Cho Oyu (Quelle: 7summitsclub.com)
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Karte Gosainkund-Helambu Trek (Quelle: sherpaguidesnepal.com)
Infobox - Weiterführende Links
Linksymbol Tourenbericht über die Tour auf den Aconcagua 6956m (Argentinien)
Linksymbol Tourenbericht über die Tour auf den Huascaran 6768m (Peru)
Linksymbol Tourenbericht über die Tour auf den Sajama 6542m (Bolivien)
Linksymbol Tourenbericht über die Tour auf den Illimani 6429m (Bolivien)
Linksymbol Tourenbericht über die Tour auf den Chimborazo 6310m (Ecuador)
Linksymbol Tourenbericht über die Tour auf den Huayna Potosi 6088m (Bolivien)
Linksymbol Tourenbericht über die Tour auf den Tocllaraju 6032m (Peru)