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Wallis - Walliser Weisshorn (4505 m)

, Peter mit Hans Penz und Walter Spitzenstätter
  1. Anreise und Hüttenaufstieg auf die Weißhornhütte
  2. Walliser Weißhorn über den Ostgrat

Anfang August war es endlich soweit, mein Bergkammerad Hans bekam endlich mal einige Tage Urlaub, und so konnten wir gemeinsam mit seinem Freund Walter Spitzenstätter, seineszeichens Bezwinger von Eiger-Nordwand, Walker-Pfeiler, Matterhorn-Nordwand und vieler anderer großer Touren in den Alpen, ins Wallis fahren, wo wir das Weisshorn besteigen wollten.

, Anreise und Hüttenaufstieg auf die Weißhornhütte

Aus der Weststeiermark ist es ja nicht gerade der nächste Weg ins Wallis, so fuhren wir am ersten Tag nach Innsburck, wo wir Walter trafen und dort Übernachteten, um Tags darauf in alle früh weiter ins Wallis nach Randa zu fahren. Dort trafen wir gegen Mittag ein. Wir hatten mit unseren Freunden Andy und Carine Peisser, die auch gerade in der Gegend waren und eine Woche zuvor am Weisshorn waren, vereinbart uns zu treffen um ein wenig zur tratschen und vielleicht einige Informationen einzuholen.

In letzter Zeit hat es in den Bergen ganz schön geschneit, und auch an diesem Tag waren die Berge in dicke Wolken gehüllt und zeitweise regnete es mehr oder weniger. Andy gab uns noch einige Tipps für unsere Tour, bevor wir uns verabschiedeten und uns auf den Weg zur Weisshorn-Hütte machten. Dieser führt einen sehr steilen Wald in Serpentinen bergan. Während des Aufstiegs begann es stärker zu Regnen, Walter hatte schlauerweise einen Regenschirm mit, Hans und ich mussten die Gore-Tex Jacken überziehen. Vielleicht auch durch den Regen etwas angetrieben, bewältigten wir die 1500 Höhenmeter bis zur Hütte in knapp 3 Stunden.

Aufgrund des schlechten Wetters waren nur 5 Leute auf der Hütte, da diese ohnehin nicht übertrieben groß ist, war das sehr angenehm. Der Regen, und die tief hängende Bewölkung ließen die Aussichten für einen Besteigungsversuch am nächsten nicht gerade gut erscheinen. So legten wir uns recht früh ins Bett und, wie in den Westalpen üblich kann man sich ohnehin auf den Wirt verlassen, ist das Wetter schlecht wir sowieso nicht geweckt. So versuchten wir zu etwas zu schlafen und rechneten eigentlich schon damit am nächsten Tag ausschlafen zu können.

, Walliser Weißhorn über den Ostgrat

"Sternenklare Nacht, Guten Morgen" schallte es um 2 Uhr in der Früh durchs Lager als der Hüttenwirt uns weckte. Schlaftrunken rappelten wir uns hoch und zogen uns an, um uns dann dem Frühstück zuzuwenden. Danach treten wir hinaus in die dunkle Nacht, es war wirklich toll, alle Wolken hatten sich verzogen und ein Sternenklarer Himmel breitete sich über uns aus.

Der erste Teil des Weges führt über einen guten Weg bergan zu einem flachen Gletscher. Wir starteten bewusst langsam, lagen doch wieder 1500 Höhenmeter vor uns. Der Gletscher war relativ Flach, aber es war schwierig zu erkennen welcher Weg denn der bessere sei, wir mussten nämlich zu einer Felsstufe die uns auf das darüber liegende Schneefeld bringen sollte. Wir fanden schließlich die Felsstufe, und etwas rechts von einem Wasserfall konnten wir recht leicht etwas 20 Meter hinauf klettern und dann nach links ausqueren um auf das Schneefeld zu gelangen. Dieses stiegen wir dann bergan, und mit zunehmender Höhe und Steilheit wurde auch der Schnee tiefer, und so mussten wir bereits hier spuren. Hans hatte leider den Fehler gemacht, eine Hose anzuziehen die immer über die Schuhe hinauf rutschte und so fiel ihm laufend der Schnee in selbige, was natürlich dazu führte dass ihm bald sehr Zehenkalt wurde. Wegen des tiefen Schnees beschlossen wir schon früher auf den Grat hinauf zu queren und auf den Felsen weiter zu klettern. Auf den teilweise vereisten Felsen war Vorsicht geboten.

Nachdem wir ein Stück geklettert waren und einen Schneesattel hinter uns gelassen hatten, war mal eine kleine Trinkpause angesagt, bevor die Kletterei schwieriger wurde. Hier eröffnete uns Hans, dass es ihm gar nicht gut gehe, hatte sich wohl eine Magenverstimmung zugezogen und er Magenschmerzen habe und es ihm sehr kalt sei, und er meinte es wohl besser für ihn sei umzukehren; und wer ihn kennt weiss dass es ihm schon ziemlich schlecht gehen muss bevor er eine solche Entscheidung trifft, und noch dazu am Weisshorn an dem Berg von dem er schon lange Zeit träumte. Da aber die Hauptschwierigkeiten noch vor uns lagen und auch der Rückweg lange ist, hat er sich zu diesem Entschluss durchgerungen. Und so trennten wir uns an dieser Stelle und Walter und ich kletterten weiter.

In der Dunkelheit fanden wir nicht den Normalanstieg, so legten wir eine Variante ein um auf den Grat zu gelangen, diese war klettertechnisch schon etwas schwieriger als der Normalanstieg, den wir dann beim Abstieg begangen. Mit beeindruckender Sicherheit kletterte Walter über die teilweise vereisten Felsen hinauf. Nach ca. 50 Meter steiler Kletterei gelangten wir auf den etwas flacheren Rücken der zum Frühstücksplatz hinauf zieht. Dort wurde das Gelände leichter und nach einiger Zeit gelangten wir zum beginn des eigentlichen Grates, eben dem Frühstücksplatz.

Nun kletterten wir den Grat entlang, einen Gendarm um den anderen erkletterten wir, aber der Grat schien endlos zu sein. Oft waren kurze messerscharf zugewehte Schneegratstücke zu überwinden, wo man nicht genau wusste ob darunter eine Felsplatte liegt oder fester Schnee. Das war auf dem sehr ausgesetzten Grat doch recht spannend. Durch die Schneefälle der letzten Tage waren die Felsen oft verschneit und recht anspruchsvoll zu begehen. Nach ca. 5 Stunden erreichten wir das Ende des kombinierten Felsgrates und den beginn des Firngrates der nun mehr oder weniger ausgeprägt auf den Gipfel hinauf zog. Von den anderen Seilschaften war weit und breit nichts zu sehen, wir dachten schon sie seien umgekehrt aufgrund der schwierigen Verhältnisse.
Wir beschlossen uns nun am Firngrat doch anzuseilen, waren wir bis hier her doch seilfrei geklettert. Der nun vor uns liegende Abschnitt sah aber heikel und unberechenbar aus. Auch die Steigeisen legten wir nun an, war es doch wieder nicht vorauszusehen ob unter dem Schnee Fels oder Eis liegt.

Der messerscharfe Grat verflachte nach ca. 200 Meter in ein kleines Plateu, von dort an war der Grat breiter und wir packten unser Seil wieder ein; Walter machte eine kleine Pause und ich spurte weiter dem Gipfel entgegen. Diese Spurarbeit war inzwischen schon sehr anstrengend, auch die mangelhafte Akklimatisation machte die körperliche Anstrengung nicht gerade leichter. So kämpften wir uns Meter um Meter dem Gipfel entgegen. Vom Ende des Felsgrates sah es aus als sei es nur noch ein Stück bis auf den Gipfel, aber es waren immerhin noch 600 Höhenmeter.

Sonnenaufgang am Matterhorn
Unterwegs am Felsgrat
Panorama über den langen Ostgrat
Walter vor imposantem Panorama am ausgesetzten Schneegrat

Bald schloss Walter wieder zu mir auf, und wir wechselten uns in der Führungsarbeit ab. Des letzte Stück zum Gipfel führt eine steile felsdurchsetzte Wand hinauf, unter uns die bis auf den Fuß der Ostflanke hinunterziehenden Schnee- und Eisfelder. Die Steigeisen wollten mit bedacht gesetzt werden, ein Fehler an dieser Stelle würde mit Sicherheit fatal enden. Gegen 10 Uhr, nach sieben Stunden Aufstieg, erreichten wir den Gipfel. Auf ihm gibt es kaum Platz für 2 Personen. Wir gratulierten uns und genossen den wunderbaren Ausblick. Unser Blick fiel auch auf unsere Aufstiegsroute und wir sahen auch eine weitere Seilschaft die unseren Spuren herauf folgte. Sie waren doch nicht umgekehrt. Wir wussten auch dass wir den selben Weg wieder hinunter mussten, und dabei war wegen der fortschreitenden Ermüdung große Vorsicht geboten.

Wir machten uns an den Abstieg, dabei begegneten uns die anderen beiden Bergsteiger, zwei junge Deutsche. Wir wechselten ein paar Worte, so meinten sie dass sie den Anstieg ohne unsere Spurarbeit wohl nicht geschafft hätten. Dass war wirklich nett und hat uns gefreut, so was hört man ja nicht so oft. Weiters waren sie recht beeindruckt von der Tatsache dass wir das ganze ohne Akklimatisation gemacht hatten. Wir wünschten uns noch viel Glück und jeder ging seine Wege.

Als wir wieder den Fuß des Firngrates erreichten kamen uns noch zwei Bergsteiger entgegen, da war es doch schon fast Mittag, sie hatten die ganze Länge des Grates an Fixpunkten gesichert, für so eine Tour ein fast aussichtsloses Unterfangen, zumindest wenn man den Gipfel erreichen will. Walter hat ihnen empfohlen das Ende des Felsgrates als erreichtes Ziel zu akzeptieren, denn für den Gipfel würden sie sicher noch mal einige Zeit brauchen, und vor allem lag auch noch der sehr lange Abstieg vor ihnen. Diese beiden kehrten dann um 19 Uhr auf die Hütte zurück, dort erfuhren wir dass sie den Berg schon zum dritten Mal versucht hatten. Gut das nichts Passiert ist.

Walter und ich kletterten nun am laufenden Seil den Grat zurück. Vom Frühstücksplatz fanden wir diesmal auch den Normalanstieg und folgten den Steinmännern. Dieser Weg war schon wesentlich leichter als unsere nächtlichen Varianten. Vom Schneesattel nahmen wir gleich die breite Schneerinne die auf das große Schneefeld hinunter zieht. Beim abklettern neben dem Wasserfall erkannten wir das es eigentlich 20 Meter weiter rechts einen "normalen" Weg über diesen Absatz gibt, aber so war es auch kein Problem. Nun noch über den flachen Gletscher und Schnee und Eis lagen für heute hinter uns. Kurz vor der Hütte wartete auch schon Hans auf uns, er war inzwischen wieder etwas besser beisammen, und sah uns sozusagen mit einem lachenden, ob des Erfolges unseres Gipfelsieges, und einem wehmütigen, ob der Tatsache dass er den Gipfel nicht mit uns gemeinsam erklimmen konnte, Auge entgegen. Kurz nach 15 Uhr trafen wir wieder auf der Hütte ein, und genehmigten uns erst mal ein kühles Blondes und genossen den Rest des Nachmittags in der Sonne vor der Hütte.

Ich kurz vor dem Gipel in der Gipfelflanke
Blick zurück über den winterlichen Ostgrat
Ich am Gipfel
Beim Abstieg, Blick zurück auf den Gipfelgrat

Da die Tour lange genug war, beschlossen wir erst am nächsten Tag ins Tal abzusteigen. Und so verbrachten wir noch einen gemütlichen Nachmittag. Gegen Abend hatte sich das Wetter auch schon wieder verschlechtert, und oben am Berg schneite es bereits wieder ganz schön. Am nächsten Morgen stiegen wir ab, und kurz nach unserer Ankunft in Randa begann es bereits wieder stark zu regnen. Es bestand auch keine Aussicht auf Wetterbesserung und so beschlossen wir uns wieder auf den Heimweg zu machen, welcher wieder zwei Tage dauerte und sehr verregnet war.

Wir hatten also wirklich großes Glück genau einen Schönwetter-Tag in dieser regnerischen Zeit zu haben um das Weisshorn zu besteigen, wirklich ein schönes Erlebnis.

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