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Ortler-Chevedale Gruppe - Touren rund um die Casati-Hütte

, Peter mit Ruth Krzmarsch
  1. Überschreitung Zufallspitzen (3757 m) und Monte Cevedale (3769m)
  2. Ruhetag mit gemütlicher Tour auf das Schrötterhorn (3386 m)
  3. Königspitze (3851 m)
  4. Informaitonen und Hinweise

In diesem Sommer hat es Ruth und mich wieder in Richtung Westalpen gezogen. Unser erstes Ziel war die Ortler-Chevedale-Gruppe, wo wir uns auf der Casati-Hütte ein wenig akklimatisieren und einige schöne Touren unternehmen wollten. Danach sollte es ins Wallis auf die Britannia Hütte gehen und zu guter letzt zu unseren Freunden nach Chamonix.

Ausgangspunkt für unseren Aufenthalt in der Gegend war Sulden. Erstmal erlitten wir einen kleinen Schreck, ich glaubte nämlich zur Schaubachhütte führe ein Sessellift, und ich konnte weit und breit keine Sessel auf dem Drahseil sehen, und so befürchtete ich schon zusätzlich einige hundert Höhenmeter zur Schaubachhütte gehen zu dürfen - was ja mit dem schweren Rucksack mit dem Gepäck für einige Tage kein Spaß sein dürfte. Kurze Zeit darauf sahen wir aber eine Gondel von der Mittelstation herunter gleiten, die uns daraufhin auch gemütlich zum Ausgangspunkt unseres Aufstiegs zur Casati-Hütte beförderte.

Von der Schaubachhütte folgten wir zunächst einem auch von Tagesgästen stark begangenem Weg. Als es dann aber auf den Gletscher ging, lichteten sich die Reihen. Schon von unten sahen wir, das der Regen ,der bei uns in den letzten Wochen gefallen war, sich hier im (Hoch-)Gebirge als Schnee niedergeschlagen hatte. Insgesamt dürften es schon so an die 30 bis 40 Zentimeter gewesen sein. Eine gut ausgetretene Spur, die glücklicherweise auch um die Mittagszeit noch relativ fest war, führte in die von uns angestrebte Richtung. Der Gletscher ist Anfangs noch recht harmlos, im oberen Teil taten sich aber doch einge Spalten auf und wir seilten uns an.

Durch den vielen Schnee sah auch der Anstieg zum Eisseepaß unangenehm verschneit aus, und so beschlossen wir der ebenfalls vorhandenen Spur Richtung Suldenspitze zu folgen. Dort gibt es einen gemütlichen Übergang über den von der Suldenspitze herunterziehenden Kamm, und nach kurzem Abstieg gelangten wir wierder zum Originalweg zur Casati-Hütte. Die große Terasse vor der Hütte war schon mit herumliegenden Bergsteigern und solchen die es werden wollten übersät.

Ich hatte zwar zwei Plätze reserviert, hatte aber am Telefon den Eindruck, das der Wirt das nicht so ernst genommen hatte, da er recht kurz angebunden gewesen war. Nun meldeten wir uns mal an der Rezeption und wir hatten wirklich Glück, wir bekammen ein Vierbettzimmer für uns ganz aleine. Dies war natürlich sehr angenehm mit der ganzen Ausrüstung.

, Überschreitung Zufallspitzen (3757 m) und Monte Cevedale (3769m)

Für den ersten Tag hatten wir uns eine Tour vorgenommen, die über den Nordostgrat zunächst auf die Zufallspitzen und in weiterer Folge auf den Monte Cevedale führen sollte. Da diese Tour nicht allzu lang ist, insgesamt so ca. 600 Höhenmeter, brauchten wir nicht zu früh aufstehen. Da der Schnee in den frühen Morgen- und Vormittagsstunden meist aber noch gefroren und somit leichter begehbar ist, starteten wir etwas vor 6 Uhr zu unserer Tour. Für hiesige Verhältnisse eh noch sehr früh, denn hier schienen es die Leute mit dem frühen Aufstehen nicht so genau zu nehmen, auf dem Cevedale kann man fast den ganzen Tag Seilschaften beobachten. In diesem Gelände ist das auch nicht so richtig tragisch, aber im Laufe des Tages wird nicht nur der Schnee tiefer, sondern mit der steigenden Temperatur auch der Schweißausstoß.

Das erste Stück folgten wir dem Weg zum Cevedale, dann bogen wir links in Richtung des Grates ab, und da erkannten wir, dass wir wohl seit dem Schneefall die ersten waren die diese Route wählten, denn es waren weit und breit keine Spuren zu sehen. Am Fuße des Grates legten wir noch eine kleine Rast ein. Der Grat ist wirlich ganz lustig, teilweise mit etwas kombiniertem Gelände, teilweise ein Schneegrat. Trotz der nicht all zu großen Schwierigkeit sollte man nicht unbedingt ausrutschen, denn an manchen Stellen ist das ganze doch etwas ausgesetzt. Klettertechnisch besonders interessant ist der Gipfelaufbau der westlichen Zufallspitze. Der Übergang zum Cevedale gestaltet sich je nach Routenführung unproblematisch.

Am Gipfel des Cevedale hatten wir es verhältnissmäßig ruhig, in Anbetracht der Menschenmassen die da rauf koffern. Ebenfalls unproblematisch ist der Abstieg über den Normalweg. Sehr amüsant sind die verschiedenen Sicherungsstrategien der Bergsteiger in diesem Gebiet, kurzes Seil, langes Seil, gar kein Seil, man kann alles haben, aber es muss ohnehin jeder für sich selbst entscheiden was für ihn das Richtige ist. Ob das auch im Sinne der Sicherheit das Richtige ist sei dahingestellt.

Zurück auf der Hütte waren wir mal ganz schön erstaunt, heute waren auch noch die gesamten Tagesgäste auf der Terasse ausgebreitet, fast wie am Strand von Lignano. Anscheinend gibts für die Italiener nicht schöneres als in der Sonne zu liegen - auch wenn der eine oder andere schon ganz schön verbrannt war.

, Ruhetag mit gemütlicher Tour auf das Schrötterhorn (3386 m)

Nachdem Ruth noch bis vor drei Tagen an der Ostsee weilte, und ihr der plötzliche Seehöhenwechsel doch ein wenig zu schaffen machte, beschlossen wir einen gemütlichen Tag einzulegen. Nachdem wir uns mal etwas ausgeschlafen hatten, packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg Richtung Suldenspitze, welche von der Hütte aus in kurzer Zeit zu erreichen ist. Von dort führt ein leichter Grat in einem ständigen auf und ab bis zum Schrötterhorn. Von dort hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Königspitze, das Ziel des nächsten Tages. Wir genossen Ausblick und Sonne und hatten keine Eile.

Als wir gegen Mittag zur Hütte zurück kehrten bot sich uns ein ähnliches Bild wie schon gestern, dutzende Sonnenhungrige lagen auf der Terasse verstreut herum und ließen sich von der intensiven Sonneneinstrahlung rösten. Am Nachmittag spazierten wir noch zu den Tres Cannone, einer alten Stellung aus dem ersten Weltkrieg.

, Königspitze (3851 m)

An diesem Tag machten wir uns schon etwas früher auf den Weg, ist die Tour auf die Königspitze doch etwas länger. So hüpften wir um 4 Uhr aus dem Bett, die Rucksäcke waren ja am Vorabend schon gepackt, und der Wirt hatte uns auch ein Frühstück vorbereitet. Obwohl schon eine Gruppe am Frühstücken war, und anscheinend vor uns wach gewesen ist, waren wir die ersten die sich auf den Weg machten.

Von der Casati-Hütte muss man zunächst mal ca. 250 Höhenmeter Richtung Pizinihütte absteigen und sich dann einen Weg zum Vedretta di Gran Zebru suchen. Dies gestaltet sich nicht so einfach, denn es ist nicht gut ersichtlich wo man denn nun abbiegen soll. Erst am Rückweg haben wir dann ein kleines Steiglein gefunden, aber selbst bei Tageslicht war dieses nicht immer leicht zu finden. Nun war es aber noch dunkel, und wir sind etwas zu früh abgebogen, und erkannten bald dass einige bis fast ins Tal hinunter ziehende Pfeiler ein ebenes Queren bis auf den Gletscher verhinderten. Ein kleiner Tip, man muß fast bis auf den Talboden absteigen und dort in einer Linkskehre nach Rechts abbiegen. Wie gesagt der (richtige) Weg ist im Dunkeln schwer zu finden. Wir suchten nun aber durch die Nacht und wurden eben gezwungen immer weiter abzusteigen, bis wir auf Steigspuren stießen.

Diesen zu folgen war nun keine große Schwierigkeit. Von zwei anderen Bergsteigern die wir auf der Hütte kennen lernten, erfuhren wir dass sie wohl beim Gegenanstieg zurück zur Hütte sehr durstig waren, wir hatten uns deshalb eine zusätzliche Flasche Getränk mitgenommen die wir am Fuß des Gletschers deponierten, ein kleiner taktischer Trick der uns aber sehr geholfen hat. Am Gletscher stiegen wir in mäßiger Steilheit bergan, langsam ging die Sonne auf, und rundum zogen ein paar bedrohlich wirkende Wolken herum, diese sollten sich im Laufe des Tages aber doch noch auflösen. Nach einiger Zeit lag die steile Rinne die auf die Schulter führte vor uns. Durch die vielen auf und absteigenden Bergsteiger war natürlich alles zerspurt, ich versuchte aber trotzdem eine kraftsparende Zick-Zack-Spur durch die Rinne zu legen. Auf der Schulter blinzelten uns die ersten Sonnenstrahlen entgegen, und es war Zeit für ein kleine Rast.

Nun lag die beeindruckende Gipfelflanke, die aus der Nähe doch nicht so steil war wie sie in der Draufsicht immer ausgesehen hatte. So stiegen wir dem Gipfel entgegen; die Flanke sieht aber doch etwas kürzer aus als sie tatsächlich ist, immerhin sind noch gute 400 Höhenmeter zu bewältigen. Nach der Flanke ist noch die etwas steilere Gipfelrinne zu bewältigen, die dann in den Gipfelgrat mündet. Dort ist ein Bergsteiger fast auf allen Vieren den Grat herunter gezittert, er war wohl von dem beeindruckenden Blick in die Nordwand ziemlich verunsichert. Gegen 9 Uhr betraten wir den Gipfel. Wir beide waren sehr glücklich, war Ruth doch im vorhinein etwas nervös ob der Schwierigkeiten die vor uns lagen. Nun hatten wir aber wieder einen tollen Berg erklommen. Der Rundblick war wirklich schön, ich bin sicher das sich auch am Hintergrat am Ortler, den ich zwei Jahre zuvor bestiegen hatte, einige Seilschaften unterwegs waren.

Am Gipfel baten wir noch jemanden ein Gipfelfoto von uns zu machen, aber wie ich dann zuhause gesehen hab, ist das fast immer ein sinnloses Unterfangen. Denn auch diesmal hat es der Fotograf geschaft uns bei den Knien und das Gipfelkreuz beim Querbalken abzuschneiden. Nach einiger Zeit machten wir uns an den Abstieg. Abwohl wir relativ früh drann waren wurde der Schnee schon langsam etwas tiefer, beim Abstieg nicht so problematisch, aber es kamen immer noch Bergsteiger die Flanke herauf. Wir haben um 13 Uhr auch noch Leute am Gipfel gesehen. Aber wir stapften jetzt die Gipfelflanke und anschließend die Rinne die von der Schulter auf den Gletscher führt. Die Rinner war etwas unangnehm zu gehen, da man oft unvermittelt tief in den Schnee einsank, und Ruth hatte besonders oft dieses Glück und war langsam schon ein bisschen müde. Der Rest des Gletschers war besser zu gehen, und langsam sahen wir auch schon sehnsüchtig unsere deponierten Getränkeflasche entgegen, also das kann ich ja nur jedem empfehlen der diese Tour in der gleichen weise unternimmt.

Nun versuchten wir den "richtigen" Weg durch die Geröllfelder zu suchen, und wie schon erwähnt war das auch bei Tageslicht nicht so einfach. Aber schließlich erreichten wir doch den Wanderweg der wieder auf die Casati-Hütte hinauf führte. Dieser Gegenanstieg bedarf schon noch mal ein wenig Kondition. Gegen 13 Uhr trafen wir wieder auf der Hütte ein.

Nachdem wir etwas gerastet, getrunken und unsere Rechnungen beglichen hatten gings nach drei schönen Tagen auf der Casati-Hütte wieder Richtung Seilbahnstation bei der Schaubachhütte. In besonders guter Erinnerung ist uns der Wirt der Casatihütte in Erinnerung geblieben, waren wir uns anscheinend doch gegenseitig sympatisch, und so konnten wir doch eine kleine bevorzugte Behandlung genießen. So haben wir zum Beispiel am Vortag zum Abendessen als Nachspeise frische Äpfel bekommen, während der Rest der Hüttengäste ein Dosenkompot bekam. Ich glaub ja das man auf Hütten immer besser darann ist wenn man ein wenig bescheiden ist und nicht meint "a la carte" essen zu müssen und irgendwie großspurig daher zu reden. Wir haben auf diese Weise immer gute Erfahrungen gemacht. Und wie heißt es so schön in einem Zitat von Hans Kammerlander, "Die, die viele Sprüche machen, das sind nicht die besten!"

Einige jahre Später waren wir zum Skitourengehen auf der Brancahütte, dabei entstanden diese Bilder.

Eindlrücke von der Ortler Chevedale Gruppe (Winterbilder)
Panaroma mit Königsspitze vom Monte Pasquale aus gesehen
Eindlrücke von der Ortler Chevedale Gruppe (Winterbilder)
Königsspitze vom Monte Pasquale aus gesehen
Eindlrücke von der Ortler Chevedale Gruppe (Winterbilder)
Zufallspitzen und Monte Chevedale vom Monte Pasquale aus gesehen
Eindlrücke von der Ortler Chevedale Gruppe (Winterbilder)
Die Casatihütte vom Monte Pasquale aus gesehen

Informaitonen und Hinweise

Casati-Hütte

Ein guter Stützpunkt für die oben genannten Touren ist die Casati-Hütte, details auf der Webseite der Hütte!

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