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Eisklettern rund um die Mt. Blanc Gruppe

, Peter mit Andy Peisser
  1. Trient (CH): Cascade du bar (Ernsthaftigkeit II/WI4,110 m) und A boire! (Ernsthaftigkeit II / WI4, 100 m)
  2. Val de Cogne (I): Erfaulet (Ernsthaftigkeit III/WI 5, 250m)
  3. Val de Cogne (I): Il Candelabro des Coyote (Ernsthaftigkeit II/WI 4+/5, 180m)
  4. Massif des Bauges (F): Canyon des Farnets
  5. Orelle (F): Eisfall am west. Tunnelportal, (Ernsthaftigkeit II / bis WI4-, ca 400 mH)

Ende Jänner 2006 bot sich für mich wiedermal die Gelegenheit meine Freunde Carine und Andreas Peisser in Frankreich zu besuchen. Andy und ich wollten, die zu dieser Zeit guten Eisverhältnisse nutzen um einige Wasserfälle zu klettern. Wir trafen uns erstmal in Chamonix, besuchten in weiterer Folge das Val de Cogne nahe Aosta in Italien und kletterten noch einige Fälle nahe Andys Wohnort - Jarsy - im Massif des Bauges.

Da ich diesen Winter noch nicht so richtig zum Eisklettern gekommen war, starteten wir am ersten Tag nicht allzu schwierig und Kletterten zwei Wasserfälle im Eisklettergebiet von Trient. Trient liegt nahe des Col de Forclaz in der Schweiz, ca. 30 Fahrtminuten von Chamonix entfernt. Man parkt direkt am Pass und folgt dem Wanderweg 'Tour du Mont-Blanc' Richtung SW für ca. eine Stunde. Nach einer Beton-Hütte geht's links ansteigend zu den Wasserfällen. Die von uns gewählten Fälle sind schon von der Hütte aus zu sehen und leicht zu erreichen. Der Sektor in dem unsere Fälle lagen nennt sich 'Mur du bar'.

, Trient (CH): Cascade du bar (Ernsthaftigkeit II/WI4,110 m) und A boire! (Ernsthaftigkeit II / WI4, 100 m)

Zu Beginn kletterten wir 'Cascade du bar'. Die erste Seillänge führt ca. 50 Meter in 75 bis 80 ° steilem Eis zu einem Stand bei einem Baum auf der linken Seite. Wir hatten das Glück das die Sonne über die Berggipfel der 'Aiguilles Dorées' lachte, und so war die Kletterei förmlich ein Genuß. Weiter geht's zuerst über eine mäßig steile Rampe bis man nochmals ca. 30 Meter ca. 75 ° Steil zum nächsten Stand klettert. Diese Länge kann bei Bedarf auch mit einem Zwischenstand geklettert werden, da sonst das Seil knapp werden kann. Die letzte Länge bildet ein steiler Aufschwung, nach dem aber gleich rechts der Abseilstand folgt.

Nach einer kleinen Mittagspause kletterten wir die Nächste Tour 'A boire!'. Wieder bildete die erste Seillänge die Schlüssellänge. Recht kompakt geht es hier 40 Meter mit 75-80° dahin. Die zweite Länge führt leichter, aber trotzdem schön, mit ca. 70° über eine gleichmäßige Eisplatte zum nächsten Stand nach ca. 50 Metern. In der letzten Länge gibt es ebenfalls noch ein ca. 75° Steiles Stück zu überwinden, bei dem man schon ganz nett unterhalb das Wasser plätschern hören konnte. Nach ca. 30 Metern erreicht man den Stand. Wir haben uns dann durch etwas Gestrüb zum zweiten Abseilstand von 'Cascade du bar' Abgeseilt und von dort weiter über die eingerichteten Stände.

Cascade du bar und A boire
'Cascade du bar' ich in der 1. SL
Cascade du bar und A boire
'Cascade du bar' ich in der 1. SL
Cascade du bar und A boire
'A boire' ich in der 1. SL
Cascade du bar und A boire
'A boire' ich in der 1. SL

, Val de Cogne (I): Erfaulet (Ernsthaftigkeit III/WI 5, 250m)

Unser nächstes Ziel war das Val de Cogne nahe Aosta. Dieses hervorragende Eisklettergebiet ist deutschen Sprachraum wenig bekannt. Bietet aber ganz touren im mittleren Schwierigkeitsbereich. Es gibt viele touren von WI 3 bis WI 5 und einige schwierigere. Die Touren sind zwischen 50 und 600 Meter lang. Das Tal spaltet sich in zwei Seitentäler, das 'Valnontey' und das 'Valeille'. Um einen Überblick über die Gegebenheiten zu erhalten sind wir je einen Wasserfall in jedem Seitental geklettert. Übernachten lässt es sich sehr gut im Hotel 'la Barme', nicht ganz billig aber sehr nett und ausgezeichnetem Essen. Man kann direkt vom Hotel aus ins Valnontey zum Eisklettern losmarschieren. Bei unsrem Aufenthalt waren die Temperaturen sehr tief, teilweise bis -18°, was das Eis natürlich sehr spröde werden ließ. Durch die hohe und geschützte Lage kann man aber auch im April auch noch sehr gut Eisklettern, wie uns der Wirt des Hotels berichtete.

Da es bei unserer Ankunft schon mal -18°C hatte, beschlossen wir erstmal gemütlich einen richtigen Cappuccino trinken zu gehen und erst etwas später aufzubrechen. Nachdem der Kaffee getrunken war, war die Temperatur zwar nur marginal gestiegen, aber mit dem schweren Eiskletterrucksack wurde es uns selbst auf dem ebenen Zustieg doch erträglich warm. Da unser geplanter Fall nicht aufgefrohren war, marschierten wir in den hinteren Teil des Tales zum Eisfall mit dem Namen 'Erfaulet'.

Die Erste Länge führt durch einen schmalen Eisschlauch der bis zu 80° steil war. Durch die tiefen Temperaturen ist das Eis glasartig spröde und sehr heikel zu klettern. Genau das richtige Gelände um für Andy auch eine Herausforderung zu bilden. Nach diesem gescheiten Einklettern folgen zwei Längen in einer felsdurchsetzten Schneerinne. Die vierte Seillänge startet dann gleich wieder mit einem annähernd senkrechten ca. 8 Meter hohen Aufschwung und legt sich dann merklich zurück. Nun folgen die beiden Schlüssellängen. Zuerst geht es über 40 Meter in pilzigem und röhrigem Eis dahin, das nur vereinzelt gute Sicherungspunkte bietet. Andy macht Stand hinter einem beeindruckenden Eisvorhang, bevor ich ihn in der nächste Länge sichere, 15 Meter senkrechtes Eis warten auf ihn und in weiterer Folge auch auf mich. Souverän klettert Andy diese Länge. Nach diesen 15 Metern legt sich das Gelände wieder zurück und bis zum Fuß des letzten Steilaufschwungs ist es wieder etwas leichter. Es folgen noch zwei steile Längen bis wir den Ausstieg erreichen. Insgesamt eine sehr schöne aber anspruchsvolle Tour. Wir seilen 5 mal zwischen 50 und 60 Meter ab.

Val de Cogne (I): Erfaulet
ich in der 4. SL
Val de Cogne (I): Erfaulet
kurzer Steilaufschwung
Val de Cogne (I): Erfaulet
ich in vorletzter SL
Val de Cogne (I): Erfaulet
ich in vorletzter SL

, Val de Cogne (I): Il Candelabro des Coyote (Ernsthaftigkeit II/WI 4+/5, 180m)

An diesem Tag wollen wir 'Il Candelabro del Coyote' klettern. Der Fall liegt im Valeille, welches man von der Ortschaft Lillaz aus erreicht. Dieser Fall beginnt mit einer 70-80° steilen Länge, wobei man am besten zuerst leicht links haltend und dann oben nach rechts zum Stand klettert. Die zweite Länge bildet eine teilweise freistehende Säule die auf 10 Meter senkrecht ist. Andy klettert diese Schlüssellänge wieder mit starken Nerven vor. In dem röhrigen Eis ist es schwierig gute Schrauben zu setzen. Die dritte Länge ist wieder leichter, hat aber in der Mitte auch einen kurzen steilen Aufschwung zu bieten. Nach einem kleinen Absatz strebt nun schon die nächste Kerze ca.8 Meter empor. Danach wird's wieder flachen. Die letzte Länge ist leichter - das Eis hat sehr schöne Farben, viele Brauntöne, ein richtiger Genuß zum Ausklang.

Val de Cogne (I): Il Candelabro des Coyote
Il Candelabro des Coyote 1. u. 2. SL
Val de Cogne (I): Il Candelabro des Coyote
ich in 1. SL
Val de Cogne (I): Il Candelabro des Coyote
Andy in der Schlüssellänge
Val de Cogne (I): Il Candelabro des Coyote
ich in der 4. SL

, Massif des Bauges (F): Canyon des Farnets

Durch eine kleine Autopanne in der Mobilität eingeschränkt, besuchen wir den Canyon des Farnets, ca. eine Stunde Fußmarsch vom Haus meiner Freunde entfernt. Diese Schlucht bietet sehr gute Eis- und Mixedklettermöglichkeiten. Da ich von den letzten Tagen etwas mitgenommen bin, klettere ich heute nur eine Tour und beschränke mit danach auf das Fotografieren und Filmen von Andy und Olivier, ein Freund von Andy der uns heute begleitet.

Während Olivier und ich eine Route klettern richtet Andy eine schwierige Mixedroute für einen Rotpunktversuch ein. Unten einige Fotos von seiner Begehung.

Massif des Bauges (F): Canyon des Farnets
der Canyon des Farnets
Massif des Bauges (F): Canyon des Farnets
Andy in seiner Mixedlinie
Massif des Bauges (F): Canyon des Farnets
Andy in seiner Mixedlinie
Massif des Bauges (F): Canyon des Farnets
Andy

, Orelle (F): Eisfall am west. Tunnelportal, (Ernsthaftigkeit II / bis WI4-, ca 400 mH)

Am Ende meines Aufenthalts besuchten wir noch das Eisklettergebiet von Orelle. Dieses liegt im Val de Maurienne kurz vor dem Frejus-Tunnel. Wir entscheiden uns für den Eisfall direkt neben dem westlichen Tunnelportel des Orelle-Tunnels. Man kann praktisch direkt neben dem Wasserfall parken, sich anziehen und in ca. 10 Sekunden den Einstieg erreichen. Die Tour folgt einer Schlucht und hat zwischen einigen Gehpassagen immer wieder tolles Eis im Schwierigkeitsgrad WI 2 bis 4- und einer Länge bis 70 Metern. Man legt so eine Höhendifferenz von ca. 400 Metern zurück. Der Abstieg erfolgt über das Waldgelände westlich der Schlucht.

Orelle (F): Eisfall am west. Tunnelportal,
ich im ersten Steilaufschwung
Orelle (F): Eisfall am west. Tunnelportal,
70 m tolles Eis...
Orelle (F): Eisfall am west. Tunnelportal,
... oben wirds etwas schäler!
Orelle (F): Eisfall am west. Tunnelportal,
ich in der letzten SL

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