Rosskuppenkante
Peter mit Hans Penz

Tourenbericht

Vor einiger Zeit habe ich das Buch 'Ein leben für die Berge' von Fritz Kasparek gelesen. Darin beschreibt er die erste Winterbegehung der Rosskuppenkante. Beeindruckt durch seine Schilderungen und vor allem durch die Leistung der Bergsteiger, die solche Touren bereits in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durchstiegen, war in mir der Wunsch geboren diese große klassische Tour selbst zu klettern.

Für uns, Hans Penz und mich, musste es nicht gleich der Winter sein. So machten wir uns im Juni 2007 auf ins Gesäuse und in weiterer Folge auf die Haindlkarhütte. Diese wird seit einiger Zeit von zwei sympathischen und lustigen Hüttenwirtinnen bewirtschaftet. Freundlicherweise konnten wir in der alten Hütte übernachten, denn es war für das von uns angepeilte Wochenende eine große Sonnwendfeuer-Feier angesagt, mit Musik und guter Laune sollte es durch die Nacht gehen. Nicht aber für uns, wir wollten um 5.15 Uhr aufstehen, um möglichst früh am Einstieg zu sein, hatte der Wetterbericht doch ab Mittag wieder etwas unbeständigeres Wetter vorhergesagt. In der alten Hütte konnten wir ungestört schlafen.

Kurz nach 7 Uhr früh erreichten wir die Stelle am Peternpfad wo einige schmale Bänder zu den zwei markanten Latschenflecken am Fuß der Kante führen. Dort sollte, nach Auskunft von Rikki, einer der Hüttenwirtinnen, der Einstieg zu unserer Tour sein. Noch in der Rosskuppenschlucht, legten wir die Kletterausrüstung an; wir beschlossen nur mit einem Rucksack zu klettern. Diesen sollte jeweils der Nachsteiger tragen, da wir ohnehin an dieser Stelle beim Abstieg wieder vorbei kommen würden. Nachdem wir an den orogr. linken Rand des oberen Latschenflecks hinüber gequert hatten, war auch prompt ein Standhaken gefunden.

Ich kletterte los - schon nach einigen Metern war ich doch ziemlich verwirrt, eigentlich sollte das 4er Gelände sein. Weiß man ja, dass die Bewertungen im Gesäuse etwas härter sind als in manch anderem Klettergebiet, aber nein, dass konnte kein 4er sein. Nach kurzem Zögern kletterte ich dann über die Platten bis zum Stand. Als auch Hans diesen erreichte, waren wir uns einig, dass wir wohl eine direkte Einstiegsvariante, die auf unserem Topo nicht eingezeichnet war erwischt haben mussten. Weiter sah das Gelände nun etwas einfacher aus. Ich kletterte weiter, nach einigen Metern leitete ein Bohrhaken aber aus der Verschneidung heraus und über eine steile Platte zum nächsten Stand. Inzwischen sahen wir eine zweite Seilschaft, diese hatte den normalen Einstieg gefunden. Aber an dem Standplatz an dem wir uns nun befanden, trafen die beiden Varianten zusammen. Im nachhinein eine schöne, aber doch anspruchsvollere Einstiegsvariante.

Nun folgten einige richtige 4er Längen, in diesen ging's gleich viel schneller voran. Bald erreichten wir den Plattenquergang nach links - recht fotogen - und schon hier bekommt man einen kleinen Vorgeschmack auf die doch etwas größere Ausgesetztheit weiter oben. Eine Seillänge später erreichten wir den Stand vor der Schlüssellänge, dem 8-Meter Wandl und dem Heinriss. Etwas aufgeregt und konzentriert stieg ich nach links, wo es nun gerade in die Schlüsselstelle geht. Die Hauptschwierigkeit ist eigentlich die Füße hoch genug zu bekommen um in den Riss im 8 Meter Wandl zu kommen. Dies gelang mir gut und einige Meter weiter erreichte ich die glatte Rissverschneidung - den Heinriss. Mit Stemm-, Hand- und Faustklemmtechnik konnte ich schließlich nach links zu den Henkeln kurz vorm Stand hinaus greifen. Die Schlüssellänge war geschafft. Für technische Kletterversuche stecken einige Hacken, aber ein bisschen wird man dazwischen auch klettern müssen.

Nun folgt eine steile Rissverschneidung, die aber sehr griffig ist. Danach kommt eine sehr schöne aber auch sehr ausgesetzte Länge, an großen Felsschuppen queren wir zur Kante zurück. Die zu kletternde Schwierigkeit lässt hier einen wahren Genuss der Tiefe unter den Sohlen zu. Hans wird kurz vor dem Stand noch nieder-fotografiert, leider lässt sich der Tiefblick mit der Kamera nicht so recht einfangen.

Gerade aufwärts sehe ich einige Bohrhaken, da muss es rauf gehen. Ich klettere weiter, wieder auf 4er Gelände eingestellt, bald wird mir aber wieder klar, dass dies wieder in einer Variante sein muss. Auch hier dürfte die Schwierigkeit nach Gesäusemasstäben bei ca. 5+ liegen, sofern man das wichtige Loch für den linken Fuß zum Höhersteigen findet ;-)

Nach einer weiteren Länge erreichen wir den Stand mit einer Gedenktafel für einen verunglückten Kletterer. Nun wussten wir, dass wir wieder auf der originalen Route waren. Bemüht nun solche Varianten auszulassen kletterten wir die letzten Längen bis zum Ausstieg. So richtig flacher und einfacher wird's allerdings erst in der letzten Länge. Knappe 5 Stunden nachdem wir eingestiegen waren, lag die 19 Seillängen dieser tolle Route hinter uns.

Weitere zwei Stunden später blickten wir von der Hüttenterasse nochmal auf die Kante und stießen mit einem köstlichen Bier auf unsere tolle Kletterei an!


Infos & Beschreibung

Topo Rosskuppenkante 6+
Beschreibung:

Einer der großen Gesäuse-Klassiker. Sehr schöne Kletterei in durchwegs festem Fels. Teilweise recht Ausgesetzt. Die Standplätze sind alle mit einem Klebebohrhaken ausgerüstet. Zwischensicherungen mit BH, Normalhaken und Holzblöcken.

Abstieg über den Peternpfad erfordert nochmals konzentration.

Schwierigkeit:

4 bis 5, Schlüsselseillänge 6+ wenn frei geklettert (5 A0)
Varianten IMO zwischen 5+ und 6
19 Seillängen, 8 Express, evtl. mobile Sicherungsmittel
Kletterzeit 4,5 - 6 Stunden, 550 mH, Kletterstrecke länger!

Zustieg:

Aus dem Ennstal, beim Parkplatz Haindlkar, in ca. 1,5 Stunden zur Haindlkarhütte. Von dort Wanderweg Richtung Peternpfad. Der direkte Einstieg befindet sich am orogr. linken Ende des oberen der beiden markanten Latschenflecken am Fuß der Kante. Der originale Einstieg auf Höhe einer markanten dreieckigen Höhle direkt in der Rosskuppenschlucht, von dort auf Bändern rechts hinaus zu Stand mit Bohrhaken queren.

Abstieg:

Die Rosskuppe überschreiten, den roten Markierungspunkten bis in den kleinen Stattel folgen wo der Peternpfad abzweigt. Über diesen Absteigen und über Wanderweg zurück zur Hütte.


Rosskuppenkante - Bilder

Rosskuppenkante Gesäuse
Planspitze, Rosskuppe, Dachl
beeindruckende Felswände
Rosskuppenkante Gesäuse
Blick auf die Haindlkarhütte
beim Zustieg zur Tour
Rosskuppenkante Gesäuse
Hans in am Ende
der 3. Seillänge
Rosskuppenkante Gesäuse
Ich in der 5. Seill.
der Plattenquergang
Rosskuppenkante Gesäuse
Hans im Heinriss
am Ende der Schlüssellänge
Rosskuppenkante Gesäuse
Hans am Ende der 8. Seillänge
Rosskuppenkante Gesäuse
Ich in der 9. SL.
super Schuppen mit viel Luft
unterm Hintern
Rosskuppenkante Gesäuse
8. SL, so richtig lässt sich die
Tiefe fürs Foto nicht einfangen
Rosskuppenkante Gesäuse
10. SL, wieder erwischen
wir eine Variante
Rosskuppenkante Gesäuse
Hans am Ende der 10. SL.
Rosskuppenkante Gesäuse
Weiter oben wirds
etwas leichter..
Rosskuppenkante Gesäuse
... da hatten wir
gleich wieder leicht lachen ;-)
Rosskuppenkante Gesäuse
Hans in einer der
letzten Längen
Rosskuppenkante Gesäuse
die Gipfelstürmer
im Selbstportrait
Rosskuppenkante Gesäuse
idylische Regenwaldquelle
beim Abstieg
Rosskuppenkante Gesäuse
Rosskuppenkante mit
eingezeichnetem Tourenvverlauf
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