Mögen die heimatlichen Berge noch so schön, lohnend und herausfordernd sein, für den Bergsteiger ist es immer toll in andere, ihm weniger bekannte Giebte, zu reisen. Das Tirolerland hat an Bergen ja auch einiges zu bieten, und besonders nett ist es wenn man dort auch noch Freunde besuchen kann, die freundlicherweise noch ein, zwei oder drei, freie Betten für eine Übernachtung bereit stellen. Hat man weiters die Chance unter sympatischer ortskundiger Begleitung Pulverschnee und Firn, und das ganze bei strahlendem Sonnenschein, zu genießen, ist ein Kurzulaub nahezu Perfekt abgerundet.
Vom 14. bis 17. Februar verbrachten wir vier traumhafte Skitourentage in Tirol, bei unserem Freund Klaus, mit dem ich vor einigen Jahren den Ilimani und Huayna Potosi in Bolivien besteigen konnte.
Eine Tour die unter normalen Umständen erst im Frühjahr möglich ist, aber durch die lange zurück liegenden letzen Scheefälle und das beständige Hochdruckwetter, bildete sich bereits auf vielen südseitig gelegenen Flanken schöner Firn.
Begonnen hat die Tour auch gleich gemütlich mit einer Seilbahnauffahrt von der Hungerburg zur Bergstation. In der Gondel haben wir dann auch noch Reinhold Scherer getroffen, einen der besten Sportkletterer Österreichst, bei dem ich vor Jahren ein Sportklettercamp in Arco besucht habe.
Von der Bergstation gings erstmal mit den Skiern am Rücken über die Hafelekarspitze in eine Scharte, von der wir nordseitig im zerspurten, aber ansonsten schönen Pulverschnee abfahren konnten. Aus dem Runboden stiegen wir dann wieder mit Fellen auf den Skiern auf, Richtung Mandelscharte. Da auf der Nordseite der Mandelscharte feinster Pulverschnee vorzufinden war, konnten Hans und ich nicht wiederstehen, und legten jauchzend vor begeisterung, eine kleine Zusatzabfahrt ein, und stiegen danach zu unseren Kammeraden wieder in die Mandelscharte auf.
Kaum durch die Mandelscharte, erwartete uns auch schon strahlender Sonnenschein. Nach einer kleinen Pause begann die traumhafte Abfahrt über die Arzlerscharte in die 'Arzler-Ries', ca. 1000 Höhenmeter steile Firnabfahrt lagen vor uns. Ein wahrer Hochgenuß. Erst kurz vor dem Weg zur Arzleralm mussten wir die Ski abschnallen und auf den Forstweg hinunter tragen. Am Weg konnten wir noch ein Stück fahren, dann wurden die Ski aber endtglültig auf den Rucksack geschnallt. Auf der Arzleralm gabs dann denn verdienten Boxenstop für Bier und einen kleinen Imbiss. Dort trafen wir durch Zufall noch Christian "Picco" Piccolruaz, seines Zeichens Extrem-Freerider (Ski & Bike), Bergführer und Eiskletterer, den Hans und ich vor einigen Jahren bei einem Eiskletterkurs im Maltatal kennen gelernt hatten. Ja die 'Bergpromi' Dichte ist in Tirol einfach etwas höher ;-)
Entlang der alten Brennerstraße fuhren wir bis zur Abzweiung ins Arztal und weiter bis kurz vor das Gehöft Hinterlarcher. Wieder erstmal die Ski tragen. Bald aber konnten wir diese anschnallen und folgten dem Weg bis zur Arztaler Hütte. Kurz danach bogen wir links ab Richtung Morgenkogel. Über der weitläufigen Südflanke blinzelt schon während des Aufstiegs der vermeintliche Gipfel herunter. Aber wie gesagt, nur der Vermeintliche! Von dort gehts erst in einem weiten Linksbogen auf den Gipfel des Morgenkogel.
Vom Gipfel breitet sich ein imposantes Panorama aus. Auch die weiteren Gipfel, die aus dem Arztal zu besteigen sind, sehen sehr interessant aus, vielleicht bei unserem nächsten Besuch. Bei der Abfahrt sehen wir, dass bereits wenige Grade Hangneigung darüber entscheiden ob man schönen Firn oder eher 'gführigeren' Schnee vorfindet.
Wo Zuhause in der Steiermark, die ersten Skitouren üblicherweise mit mindestens 1 Stunde Fahrzeit verbunden sind, ist das bei unseren Freunden in Tirol anders, in 'normalen' schneereicheren Wintern sind wir schon von Klaus' Haustür aus auf Tour gegangen. Aber auch in diesem Winter sind Touren in einer guten halben Stunde zu erreichen. Was natürlich schlaftechnisch richtige Urlaubsstimmung aufkommen ließ, 8 Uhr oder 8.30 Uhr abfahrt, reicht für ausreichend Schlaf :-)
Diesmal sollte es über den Loas Sattel auf den Kleinen Gamsstein und nach einer Abfahrt weiter auf den Kuhmöser (Kuhmesser) gehen. Wo wir in der SW-Flanke wieder Firn erhoften. Die Abfahrt vom Kleinen Gamsstein war ein Pulver Hochgenuß, am Kuhmöser reichte die Kraft der Sonne aber doch nicht aus um den Schnee so richtig in Firn zu verwandeln, teilweise im Bruchharsch kämpften wir uns bis wieder runter bis zu Loas-Hütte wo es (angeblich) die größten Wienerschnitzel Österreichs gibt!
Sie letzte Tour unseres Kurzulaubs führte uns auf den Hohen Kogel (sehr origineller Name ;-). Der Parkplatz in Innerst war schon gut belegt, als wir dort gegen 9 Uhr eintrafen, von hier startet auch eine Tour auf den Gilfert, was die große Menge an Skitourengeher erklären dürfte.
Da Bärbel und Hans einmal einige Jahre in Tirol gelebt haben, sind Aufenthalte hier immer mit div. Besuchen verbunden, oder man macht gemeinse Touren, wie damals! Diesmal war auch wieder Walter Spitzenstätter und seine Frau dabei. Mit Walter konnte ich vor einigen Jahren das Walliser Weißhorn besteigen.