Meine bisherigen Marathon-Läufe

Nachdem ich inzwischen schon eineinhalb Jahre regelmäßig, d. h. im Schnitt so ca. jeden zweiten Tag, gelaufen bin, und auch im Training öfters mal über 20 km recht gut überstanden hab, suchte ich nach einer neuen laufsportlichen Herausforderung, die ich auch prompt beim Marathonlauf fand.

Graz Marathon 2000

Beim Graz Marathon wollte ich es das erste mal versuchen. Kurz vor dem Marathon war ich 3 Wochen in Frankreich zum Bergsteigen, und bin deshalb nicht richtig viel, und vor allem nicht speziel zum trainieren für so einen Langstrecken lauf gekommen. Was man vom Bergsteigen aber sicher übernehmen kann ist der Wille "durchzuhalten"!

Am Sonntag dem 8. Oktober war es dann soweit, ich bin mit 2 Bekannten, die sich auch mal beim Marathonlaufen versuchen wollten mit nach Graz zum Start gefahren. Die Atmosphäre am Start war wirklich toll, nahmen doch insgesamt ca. 4000 Läufer teil. Um 10 Uhr fiel der Startschuß, ich merkte schnell das ich etwas schneller laufen könnte als meine Bekannten, hatte ich mir doch eine Zeit rund um die 3 Stunden 30 Minuten als großes Ziel gesetzt. Ich bin die ganze Sache aber trotzdem bewußt langsam angegangen, hieß es doch von vielen Seiten - der Marathon beginnt erst nach 30 km. Ich war wirklich gut drauf, und hab einen tollen Rythmus gefunden und bin die erste Hälfte in 1.48 Stunden gelaufen, also etwas zu langsam. Kurz danach haben dann auch meine Oberschenkel begonnen zu übersäuern, das hab ich aber erst im nachhinein erfahren, woran die Schmerzen kamen, fix war nur das sie mit jedem Schritt schlimmer wurden. Und irgendwie war es mir schon ziemlich egal wie schnell ich laufen konnte, glaubte ich ja mittlerweile nicht mehr daran in 3.30 ins Ziel kommen zu können, und hab auch gar nicht mehr gerechnet ob sich das noch ausgehen könnte. Nach ca. 3 Stunden bin ich dann neben einem Mitläufer her gelaufen, der hatte schon ziemlich starkes Seitenstechen, aber er hat dann zu mir gemeint, das wenn wir so weiterlaufen noch in 3.30 ins Ziel kommen könnten, das hat mich dann nochmal so richtig motiviert, und ich hab die Zähne zusammen gebissen. Die letzten Meter durch die Herrengasse sind wirklich ein Traum, jede Menge Zuschauer, man wird förmlich ins Ziel getragen. Und mein großer Traum ging auch noch in Erfüllung, in 3 Stunden 28 Minuten war ich im Ziel gewesen.

Obwohl ich überhaupt nicht mehr richtig gehen konnte da meine Oberschenkel und Waden so sauer, im wahrsten Sinne des Wortes, waren, hab ich auf eine Massage verzichtet. Nach dem Marathon konnte ich fast eine ganze Woche nicht richtig gehen, aber was tut man nicht alles für ein paar Endorphine!


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Welsch Marathon 2001

Gestern (5. Mai) war es nun endlich soweit, der Welsch-Marathon 2001 stand auf dem Programm. Im Vorfeld hab ich mir ja doch recht viele Sorgen gemacht ob das diesmal wohl klappen würde, hatte ich ja seit gut 2 Wochen Probleme mit meinem linken Knie, dies hat natürlich auch meine Trainingsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Und das ist ja in anbetracht der Tatsache, das nicht nur die klassische Marathondistanz von 42.195 km sondern auch noch 1440 Höhenmeter zu bewältigen sind, auch nicht so super.

Ich bin dann so gegen 8.15 Richtung Ehrenhausen los gefahren, eigentlich fast etwas zu früh, ich hab nicht damit gerechnet dass man da so schnell unten ist. Der Start der Marathondistanz war am Hauptplatz. Als ich dort angekommen bin hab ich mir schon mal gedacht ob das wohl das richtige für mich ist, denn für die Marathondistanz waren nur knapp 400 Leute gemeldet, anscheinend doch nichts für Jedermann bzw. -frau. Und die meisten haben schon ziemlich laufsportlich ausgesehen. Aber was soll's, jetzt bin ich schon mal da. Zum aufwärmen bin ich dann ein bischen rumgelaufen, und hab ein paar Dehnungsübungen gemacht.

So noch fünf Minuten bis zum Start, das Häufchen Läufer schaart sich vor dem Starttransparent. Schon ein eigenartiges Gefühl wenn's dann gleich los geht und man daran denkt was so vor einem liegt. Und dann der Startschuss, und in anbetracht meines ledierten Knies und in Voraussicht auf die Steigungen die auch gegen Ende der Distanz noch zu überwinden sein werden, bin ich es sehr gemütlich angegangen. Es geht ja vom Start gleich einige km bergauf weg. Landschaftlich ist es ja wirklich sehr toll dort, dies relativiert sich aber spätestens nach 30 km. Nach einigen km hab ich gemerkt das es mit meinem Knie eigentlich überraschend gut läuft, lediglich in der Leistengegend hab ich gespürt das sich da etwas zusammenbrauen könnte, das ist vermutlich daran gelegen das ich doch einen linkes-Knie-schonenden Laufstiel gehabt hab, und so ist glaub ich immer der rechte Fuß etwas mehr belastet worden. Aber es war noch nicht so schlimm und ich hoffte es würde auch nicht schlimmer werden.

So zogen die km vorbei, ich rechnete mit einer Endzeit von um die 4 Stunden, d. h. so nach einer Stunde, ca. 10 km, hab ich mir gedacht, na bum NUR MEHR drei Stunden laufen. Ich hab versucht sehr gleichmäßig zu laufen, bergauf wie bergab, und so konnte ich schon nach kurzer Zeit einige die am Anfang halt zu schnell losgelaufen sind überholen, gerade bei den Bergaufstücken war ich recht gut. Ein paar von denen haben dann gemeint sie müssen bergab wieder volle kanne an mir vorbeiziehen, ich hab mir dann gedacht, die nächste Steigung kommt bestimmt, und so war's dann auch, und ich bin dann meist als Sieger aus diesen Duellen hervor gegangen.

Auf halber Strecke, dort war der Start des Halbmarathons, hab ich das GLÜCK gehabt das ich genau in diesen Start rein gekommen bin, und das waren ca. 1500 Läufer die dort los gerannt sind, und da das einige Zeit dauert bis sich das alles in Bewegung setzt und die meisten auch langsam angefangen haben, war ich im vollen Verkehrstau, hab mich recht geärgert, die Wappler tun überhaupt nichts weiter, obwohl sie erst los laufen, und einige von denen haben nach 2 km schon geschnauft wie die Dampfrösser.

Zu dieser Zeit haben auch meine Beine zu schmerzen begonnen, fast pünktlich, beim Graz-Marathon war's auch so; das liegt an der Übersäuerung der Muskulatur, und da ich ja nicht speziell fürs Marathonlaufen trainiere, das heißt eigentlich nie mehr wie 20 km am Stück laufe, ist das eigentlich schon vorprogrammiert. Am Anfang nur der rechte Oberschenkel, später beide, und bis ins Ziel sollten sich diese Schmerzen noch bis zur FAST Unerträglichkeit steigern. Nach ca. 2/3 der Strecke ging's dann einige km bergab, bei den Labestationen hab ich immer schön brav getrunken, und auch gleich mal angefangen mir bei jeder einen Becher Wasser über den Kopf zu schütten, das ist wirklich sehr angenehm, denn es war teilweise ganz schön warm, außerdem ist es recht amüsant fürs Publikum wie ich bemerkt hab. Recht oft waren auch so Gartenduschen aufgestellt, dort bin ich auch immer durch, sehr angenehm.

So bei km 30, die Bergabstrecke war glücklicherweise überwunden, denn das blöde mit den Schmerzen in den Oberschenkeln ist, dass sie beim bergablaufen viel schlimmer sind als beim bergauflaufen, haben dann meine Eltern das erste mal gewartet, hatte aber leider keine Zeit zum stehenbleiben. Mittlerweile zählte ich schon ein etwas die Kilometer. Was recht komisch war, als ich kurz nach dem Start vom Halbmarathon so dahingelaufen bin, hör ich hinter mir einen sagen, die Kilometer kommen ihm so kurz vor, ich hab dann zu ihm gemeint, er braucht nur ein bischen früher anfangen, dann kommen sie einem um die Zeit nicht mehr so kurz vor. Es ging nun einige Kilometer relativ flach dahin, ich wusste aber das es noch ein paar mal anständig rauf gehen würde. Und so war es dann auch.

Eine anständige Steigung, recht steil und auch relativ lang, die meisten von den Halbmarathonläufern die so in meiner Gegend waren, sind dort schon gegangen, ich hab mir gedacht das ist ein Marathon und kein Wandertag. Und obwohl es schon ziemlich anstrengend war bin ich weiter gelaufen. Beim bergauflaufen haben mir die Oberschenkel zwar nicht so weh getan, dafür aber die Leisten, mittlerweile schon auf beiden Seiten, und mit der Kraft war's auch nicht mehr so weit her. Die Leute an der Strecke waren wirklich sehr nett, und alle paar hundert Meter hatten sie Wannen mit dem Gartenschlauch drin aufgestellt, bei einem hab ich kurz mal den Kopf drunter gehalten, das kalte Wasser weckt wieder für kurze Zeit die Lebensgeister. Und ich schaffte auch diese Steigung, nun wusste ich das es noch einmal ziemlich runter gehen würde und dann noch ein recht langer Anstieg kommen würde, die Bergabstrecken wurden langsam zur Qual, und bergauf ging's auch schon nicht mehr viel anders.

Es waren jetzt noch ca. 7 km bis ins Ziel. Mit lächeln laufen, wie der Strunz immer prolongiert, war jetzt nichts mehr, mein Gesicht dürfte schon ziemlich schmerzverzerrt gewesen sein, es gibt glaub ich eh ein paar Fotos. Jetzt hab ich mich mit Gedanken wie: "so jetzt ist es nur noch soweit wie du daheim immer die kleine Runde läufst", über Wasser gehalten. So nun war auch die letzte große Steigung laufender weise überwunden. Leider hab ich mich darin getäuscht das es oben gleich bergab nach Wies gehen würde, es gab noch eine kleine Berg- und Talbahn auf dem Bergkamm dahin, einige Kilometer vor dem Ziel warteten nochmal meine Eltern, meine Mutter hat mir zwei Becher Getränk zugereicht, einen getrunken, den anderen hab ich mir über den Kopf gegossen, das lustige war, der war ziemlich voll, so ist mir das Wasser über den Rücken, bis in die Unterhose geronnen, war aber auch schon wurscht, und irgendwann kam ich bei km 40 vorbei, beim loslaufen ist dieser Punkt soweit weg, aber wie man sieht doch zu schaffen, und ab jetzt ging's wirklich bergab, das war aber auch nicht lustig, mittlerweile waren die Schmerzen in meinen Oberschenkeln schon extrem, und das Bergablaufen die Hölle. Für diese 2 Bergabkilometer hab ich 15 Minuten gebraucht, unter normalen Umständen lauf ich in dieser Zeit zweimal soweit. Dann hab ich den Kirchturm von Wies gesehen, und ich hab gewusst, nur noch ein Kilometer, und so hab ich mich weiter gequält. Jetzt sind es nur noch ein paar hundert Meter bis ins Ziel. Eigentlich sind dies diese Meter, die einen für die Qualen belohnen, ich hab gewusst jetzt kann mich nichts mehr stoppen, und es kam ein ziemlich starkes Glücksgefühl in mir auf, links und rechts der Straße stehen die Leute und feuern die Läufer an, und es ist unglaublich aber wahr, man hat sogar da noch Reserven und die letzten Schritte kann man noch mal was zulegen. Und dann ist es geschafft.

Schon ein tolles Gefühl. Sicher schwer nachzuvollziehen für jemanden der das noch nicht erlebt hat. Die eigenen Grenzen sind wiedereinmal ein Stück hinaus geschoben worden. Die Laufsucht ist wieder befriedigt. Ich hab für die Strecke 4 Stunden 8 Minuten gebraucht (148 Platz von 282 die bei der Marathon Distanz ins Ziel gekommen sind). War schon eine feine Sache.


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Graz Marathon 2004

Irgendwann im August des Jahres 2004, lief ich von der Wohnung meiner Freundin in Graz Andritz wieder einmal auf die Platte. An diesem Tag ging es mir beim Laufen echt gut und es machte mir viel spaß, es lief irgendwie wie von selbst. Und während ich so dahin lief, begann ich mit dem Gedanken zu spielen wiedermal einen Marathon zu laufen um dabei die Grenzen des Peter-Möglichen in Sachen Laufsport etwas auszuloten.

Zunächst machten wir, meine Freundin Barbara und ich, aber noch einen tollen Bergurlaub in der Schweiz (Wallis) und besuchten Freunde in Frankreich (Chamonix). Gegen Ende August trudelten wir dann wieder in Österreich ein und so hatte ich ca. 6 Wochen Zeit mich intensiver auf den Marathon vorzubreiten.

Und gestern, am 10. Oktober 2004 war es nun schließlich soweit. Während der Trainingszeit erwachte in mir natürlich auch der Wunsch nicht nur einfach auf ‚durchkommen' zu laufen, das wusste ich schon dass das für mich möglich war, hatte ich ja bereits zwei Marathons hinter mir, nein ich wollte auch meine bisherige Bestzeit verbessern. Bei meinem ersten Marathon, auch der Graz-Marathon war ich 3 Std. 28 Min. gelaufen. Dies war damals ein sehr großer Erfolg für mich. Aus meinen Trainingsläufen konnte ich mir ungefähr ausrechnen dass es möglich sein müsste diese Zeit zu unterbieten, aber 42 km sind ein weiter Weg auf dem viel passieren kann.

So machten wir, Barbara betreute und motivierte mich aus besten Kräften, uns auf den Weg zur Grazer Oper, wo diesmal der Start stattfand. Ich hab mir aus den Erfahrungen vom letzten mal vorgenommen einfach ein Risiko einzugehen und zu versuchen auch die erste Hälfte zügiger anzugehen. Und so fiel um 10 Uhr der Startschuß, eine tolle Atmosphäre, waren doch insgesamt ca. 5000 Läufer am Start. Ich lief in einem für mich gut zu laufenden Tempo los. Am Anfang ist ja noch recht viel Verkehr um einen und so versuchte ich immer ein freies Plätzchen zwischen den anderen Läufern zu finden. Nach ca. 3 km schloss der Pacemaker für eine Endzeit von 3 Std. 15 Min. zu mir auf. Obwohl ich wusste das dies vermutlich etwas hochgegriffen für mich sei, schloss ich mich dieser Gruppe an. Für diese Endzeit mussten wir den Kilometer in 4 Min. 37 Sek. laufen, also schon relativ zügig, zumindest für meine Verhältnisse. Ich dachte mir aber wenn ich solange wie möglich in dieser Gruppe bleiben könnte hätte ich dann ein Zeitpolster um mein Ziel erreichen zu können. Schwierig für mich war dass ich doch bei jeder Labestation etwas trank, der Pacemaker aber doch sein Tempo beibehielt, und ich so immer etwas schneller wieder aufschließen musste. So spulten wir Kilometer für Kilometer ab. Beim Kunsthaus wartete Barbara das erste mal um mich anzufeuern. Hab mich sehr gefreut sie zu sehen. Ich erreichte dann die Halbmarathon Distanz in ca. 1 Std. 37. Min. das alleine war schon ein Erfolg für mich.

Weiter gings wieder Richtung Hilmteich. Langsam merkte ich aber leider dass es mir immer schwerer fiel das Tempo zu halten. Und so büßte ich Meter um Meter auf den Schrittmacher ein und es wurde langsam wirklich zäh. Was diesmal aber weit weniger schlimm war als bei meinen ersten beiden Marathons war die Übersäuerung der Muskulatur in den Beinen. Nun begann ich mir kleinere Ziele zu stecken, erstmal bis zur Kalvarienbrücke, dann erstmal bis zum Kunsthaus usw. usw. Beim Kunsthaus wartete wieder Barbara und ich holte mir ein Motivationsbussi ab. Nun merkte ich auch dass ich langsam ein ziemliches Hungerloch bekam, aber leider bin ich gerade bei der letzten Labestation vorbei gelaufen, und die nächste war wieder fünf Kilometer entfernt. Ich hatte ein Gefühl wie ein Auto mit leerem Tank. Obendrein waren auf der Strecke Richtung Puntigam recht wenig Zuschauer, und so blieb es Anfeuerungsmäßig auch etwas ruhiger.

Ich begann die Kilometer zu zählen. Endlich erreichte ich die nächste Labestation. Zwei Becher Getränk und ein paar Stücke Bananen. Das half etwas aber inzwischen waren schon 36 Kilometer in den Beinen und für mich schon recht hart. Als dann die Abzweigung zur Herrengasse erreicht war, war ich schon ein bisschen erleichtert, diesen einen Kilometer werd ich jetzt wohl auch noch schaffen. Leider waren heuer, vermutlich durch das schlechte Wetter, relativ wenige Zuschauer auf der Straße, und so wurde man nicht gerade von einer applaudierenden Menschenmenge ins Ziel getragen. Aber noch eine Linkskurve und das Ziel war in sicht. Jetzt konnte ja nicht mehr viel schief gehen. Kurz vor dem Ziel feuerten mich dann noch Petra und Mike, zwei Freunde von mir, an, darüber hab ich mich sehr gefreut. Erschöpft aber Glücklich überquerte ich die Ziellinie nach 3 Std. 23 Min. Ich hatte mein Ziel, trotz des Leistungs-Einbruchs in der zweiten Runde, erreicht.


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