Nach unserer erfolgreichen und sehr schönen Bergwoche in der Bernina und zwei Ruhetagen in Tösens (Oberinntal) war unser nächstes Ziel Chamonix Mt. Blanc - la capital du monde d'alpinisme - wie man sagt. Dort trafen wir Freunde, Carine & Andy Peisser, mit denen wir schon einige sehr schöne Bergabenteuer erlebt haben.
Nachdem wir ein wenig mit unseren Freunden über die Tourenmöglichkeiten gesprochen hatten entschlossen wir uns eine Hochtour auf die Aiguille d'Argentiere zu unternehmen. Dort sei die Überschreitung über den Fleche Rousse Grat (Ostsüdostgrat) eine sehr schöne Tour. Gesagt getan. Mit der Gds. Montets Seilbahn gings rauf und anschließend über den Argentiere Gletscher hinunter bzw. hinüber zur Argentiere Hütte. Wir waren das erste mal in diesem beeindruckenden Kessel, durch den sich der Argentiere Gletscher talauswärts wälzt. Umrahmt von Droites, Mont Dolent, Aig. d. Tour Noir, Aig. d'Argentier und schließlich der Aig. du Chardonnet suchten wir uns im strahlenden Sonnenschein den Weg über den Gletscher.
Nach einiger Zeit erreichten wir den Gletscherrand, packten unsere Steigeisen und das Seil wieder in den Rucksack und machten uns an den kurzen Aufstieg zur Hütte. Wir hatten Lager reserviert und konnten gleich mal unser Schlafgemach beziehen. Wie üblich bei Westalpentouren sollte es aber keine übertrieben lange Nacht werden. Unsere Freunde meinten zwar das die Tour nicht zu lang sei, dennoch beschlossen wir um drei Uhr zu starten.
Schon in der Früh stellte sich heraus dass heute nicht so hundertprozentig unser Tag sein sollte. Wir hatten nämlich das Täschchen mit unseren Stirnlampen und vor allem Ruths Kontaktlinsen in Chamonix vergessen. Nach kurzer Beratung entschlossen wir uns aber dann doch aufzubrechen. Lichttechnisch mussten wir halt mit einem kleinen LED-Lämpchen auskommen. Dies sollte aber noch eines der kleineren Probleme an diesem Tag sein.
Der Weg von der Hütte zum Glacier des Amethystes und weiter Richtung Col du Tour Noir war recht gut zu finden, und am Gletscher selbst erwachten auch die uns gegenüberliegenden Berge im roten licht der ersten Morgensonne zu wunderbarem leben. Kurz vom dem Col zieht eine breite Rinne zu einem kleinen Sattel, von dort aus sollte der eigentliche Grat los gehen. Nach einer kleinen Rast auf besagtem Sattel machten wir uns auf den Weg, zuerst unschwierig über gestufte Felsen aufsteigend und danach kurz abkletternd, erreichten wir eine Scharte, in die wir nun auf der Westseite ein Stück absteigen mussten, dies war eine ungute Angelegenheit, da das Geröll und der feine Schotter unter jedem Schritt nachgaben und man Gefahr lief mit dem ganzen Zeugs runter zu rutschen. Nach ca. 15 Metern ging es wieder in festen steileren Fels. So kletterten wir den Grat entlang bis zu einem steilen Aufschwung. Ich sah dass auf der linken Seite eine Abseilschlinge hing, diese war aber meiner Ansicht nach schwierig zu erreichen, und so entschlossen wir uns, den Gendarmen den man mit dieser Abseilstelle umgehen konnte, zu überklettern. Klettertechnisch eine gute Idee, bietet der Gendarm doch interessante und schöne Kletterstellen, schätzungsweise im vierten Schwierigkeitsgrad. Lediglich kostete es etwas mehr Zeit. Hinter dem Gendarmen legt sich der Grat zurück und wir mussten linkshaltend Absteigen um auf das steile Schneefeld zu gelangen welches man, benutzt man die Abseilstelle schon viel weiter unten, erreicht.
Als wir nun auch dieses Schneefeld hinter uns gelassen hatte, und über eine kleine Rippe auf die Nordseite wechselten, sahen wir schon auf den Gipfel, und meinten die Hauptschwierigkeiten hinter uns zu haben. Darin sollten wir uns aber schwer täuschen. Vor uns lag eine ca. 50 Meter lange Querung der Nordwand, leider bestand die nicht aus gut begehbarem Firn wie die zuvor erklommene Schneerinne, sondern aus Blankeis, was vor allem Ruth eine gehörige Portion Respekt einflößte.
So querte ich als erster über das steile Eis, nach ca. 30 Metern richtete ich an Felsköpfeln und mit Friends einen Stand ein. Nun war Ruth aber doch etwas verunsichert, denn auf diesen 30 Metern war es mir nicht möglich mehr als eine Eisschraube zu setzten. Also auch im Falle eines Sturzes im Nachstieg nicht unbedingt angenehm. So fixierte ich das Seil kletterte zurück zu Ruth und richtete für Sie ein Seilgeländer ein, mit dem sie bis zu dem Stand queren konnte.
Aber selbst hier waren die Schwierigkeiten noch nicht vorbei, haben wir diese Stelle, doch noch recht gut entschärfen können, hatten lediglich wieder etwas Zeit verbraucht, war die nächste Seillänge, obwohl sie eher harmlos aussah, doch recht ungut zu begehen. Kaum Absicherungsmöglichkeiten und einige ungute Quergangmeter. Für Ruth war diese Länge wohl die Schwierigste der Tour, war sie doch sehr Ausgesetzt und im Falle eines Sturzes sicher sehr unangenehm. Als sie meinen Stand auf einem kleinen Sattel kurz vor dem Gipfel erreichte war erst mal eine kleine Pause zur Beruhigung der Nerven angesagt. Glücklicherweise waren es bis auf den Gipfel vielleicht noch 50 Höhenmeter, und diese waren bald zurück gelegt. Inzwischen war es aber schon am frühen Nachmittag, und unsere Pläne am selben Tag noch bis ins Tal abzusteigen legten wir bald ab und beschlossen noch eine Nacht auf der Hütte zu bleiben. Aber soweit waren wir ja noch gar nicht.
Am Gipfel trafen wir auf eine Gruppe von drei Leuten, einer war an der Schulter verletzt, sie waren durch das Y-Couloir geklettert, welches im Sommer sehr steinschlag-gefährdet ist, und einer hatte eben einen solchen Stein abbekommen. Da wir ihnen nicht helfen konnten und die Zeit schon etwas drängte machten wir uns gleich an den Abstieg, über den bis zu 50 Grad steilen Glacier du Milieu. Hier war nochmals vollste Konzentration gefordert, spürten wir doch schon etwas die Länge der Tour. Nach einiger Zeit des Abstiegs, hörten wir plötzlich Hubschraubergeräusche über uns, anscheinend hatte die Gruppe mit dem Verletzten die Bergrettung allarmiert. Unsere Sorge war nun dass unsere Freunde in Chamonix eventuell von einem Unglück auf der Aiguille d'Argentiere hören könnten und sich um uns sorgen könnten.
Zwei Personen der Gruppe wurden im unteren Teil des Gletschers vom Hubschrauber abgesetzt, der Verletzte wurde weggeflogen. Nach einiger Zeit erreichten wir ebenfalls den flacheren unteren Teil des Gletschers und nun lagen endgültig alle größeren Schwierigkeiten hinter uns.
Wir trafen gegen 18 Uhr auf der Hütte ein, eine ganz schön lange Tour, und versuchten nun sofort unsere Freunde anzurufen um Ihnen mitzuteilen dass wir OK sind und erst am nächsten Tag ins Tal absteigen würden. So genossen wir noch eine Nacht auf der Argentiere Hütte und schliefen am nächsten Tag mal gemütlich aus, und machten uns danach auf den Weg ins Tal.
![]() Aig. d′Argentier von der Bergstation Gds. Montets |
![]() Am Beginn des Fleche Rousse Grates |
![]() Ruth im steilen Firn |
![]() Heikle Querung der Aig. d′Argentiere Nordwand |
An diesem Tag bot sich endlich wieder mal die Gelegenheit mit meinem alten Freund Andy eine Bergtour zu unternehmen; da er ja schon seit einigen Jahren in Frankreich lebt, bietet sich diese Chance ja nicht so oft. Und da ich bei meinem "Gletscher und Grate" Kurs auf der Oberwalder Hütte zwei Wochen zuvor auf den Geschmack von steilem Eis gekommen bin, schlug ich vor doch etwas im Triangle am Montblanc du Tacul zu machen, die Routenwahl überließ ich Andy da er sich dort ja etwas besser auskennt. Und wie es so seine Art ist hat er gemeint, ja fahren wir doch halt mal in der Früh rauf und schau ma mal was so geht. Gesagt getan.
Obwohl wir uns schon um halb Sieben in der Früh in die doch schon ansehnliche Warteschlange vor der Seilbahn auf die Aiguille du Midi einreihten, fuhren wir erst mit der dritten Gondel rauf. Was sehr angenehm war, auf dem Weg zur Talstation hat Andy noch 300 Franc unter einem Auto liegend gefunden, so wurde die Fahrt mit der Seilbahn unerwartet billig, in anbetracht unserer inzwischen doch schon etwas strapazierten Urlaubskasse recht angenehm. Was wir durch die Warterei auf die Gondel an Zeit verloren hatten, wurde jetzt durch zügiges Gehtempo wieder etwas aufgeholt. Kurz vorm Triangle machten wir halt, und Andy erkundschaftete mit seinem Fernglas mal den zentralen Teil. Ich konnte mir nicht so richtig vorstellen das man durch die von unten doch recht schmal aussehenden Eisfäden nach oben klettern konnte, das liegt aber sicher daran das dies meine erste richtige Eistour sein sollte.
Nun bereiteten wir uns mal vor, behängten uns mit Eisschrauben und was man sonst noch so braucht und suchten eine geeignete Stelle den Bergschrund zu überwinden, die war gleich gefunden und so ging es am Anfang gleich mal eine immer steiler werdende Eisflanke hinauf. Wir konnten auch schon die erste anspruchsvolle Stelle ausmachen, eine fast senkrechte, in der Mitte ca. 40 cm breit vereiste Verschneidung die nach links oben über eine steile Eisrampe weiterführte. Eine wirklich interessante Stelle, als diese überwunden war und ich zu Andy am Standplatz aufschloss konnten wir schon die nächste spannende Passage ausmachen, ein typische Granit-Kletterstelle, mit einem senkrechten Faustriss und links und rechts davon eine glatte Platte. Eine Hand in dem Riss verklemmt, und mit der anderen versucht ein Eisgerät über diesen Absatz ins Eis zu schlagen. Dann noch einen Fuß in den Riss verklemmt, sogut das mit Steigeisen halt geht, das zweite Eisgerät oben ins Eis und übersetzten, und so war auch diese Stelle überwunden. In ähnlichem Stil, über schmale Eisschläuche, kombiniertes Gelände, aber auch schön zu gehende Eisflanken strebten wir der Spitze des Triangle zu. Und so gegen 14 Uhr schien uns dann die Sonne entgegen, und die Eistour lag hinter uns und mit der Sonne wurde es jetzt auf einmal auch gescheit warm. Nun noch der Abstieg aufs Col du Midi und der Aufstieg zur Seilbahn. Und schon waren wir wieder in Chamonix.
![]() Andy in der ersten Seillänge |
![]() Ich mit Luft unter den Sohlen |
![]() Triangle des Mt. Blanc du Tacul |
![]() Ich im mittleren Teil |
![]() Andy im kombinierten Gelände |