Anlässlich eines größeren Festes, welches mein Freund Andy gegen Ende September dieses Jahres ausrichten wollte um seinen Geburtstag, seine abgeschlossene Bergführer-Ausbildung und seine Gesellenprüfung als Zimmermann feiern wollte, führte es mich auf seine Einladung hin schon drei Wochen früher nach Frankreich. In dieser Zeit hatte ich die Möglichkeit einige tolle Bergabenteuer zu erleben.
Ich erinnere mich noch gut daran als Andy und ich mit dem Auto von Argentiere Richtung Chamonix fuhren, und ich die beeindruckende Westwand des Petit Dru bestaunte und Andy gemeint hat da es auch für uns dort was zu holen geben würde. Ich war schon etwas ungläubig. Eine weitere Tourenidee die wir hatten wäre eine Überschreitung der Grandes Jourasses gewesen. Andy wollte aber noch mit seinem Freund Olivier, der uns an diesem Wochenende beleiten wollte, sprechen was er machen wolle. Und so ergab es sich das die Beiden beschlossen die "American direct" an der Dru zu klettern.
Zeitig am nächsten Morgen wurde dann gefrühstückt und Andy und ich machten uns auf, um uns mit Olivier in dessen Wohnung zu treffen und anschließend zur Talstation der Grands Montets Seilbahn zu fahren. Am Col des Grands Montets angekommen machten wir uns über den Glacier des Grands Montets , auf den Weg zum Fuß der Westwand des Petit Dru. Mit zunehmender Einsehbarkeit der Wand wurde sie auch immer steiler und bedrohlicher, aber derweilen waren wir ja mit dem auch nicht gerade einfachen Zustieg zum Wandfuß beschäftigt. Vom Glacier des Grands Montets mussten wir durch eine steile Rinne, die für sich schon mit kombinierter Abkletterei aufwarten konnte, um auf den sehr zerklüfteten Glacier du Nant Blanc zu gelangen. Dies nahm schon einige Zeit in Anspruch, genau so wie die Überquerung des aus einem Labyrinth aus Spalten bestehenden Gletschers.
Am frühen Nachmittag erreichten wir den Wandfuß und blickten an der wirklich sehr (!) beeindruckenden Wand empor. Der Zustieg hatte schon wesentlich länger gedauert als erwartet, und die Wand sah auch etwas bedrohlicher, steiler und glatter aus als erwartet, und so beschlossen wir, etwas erdrückt von den Eindrücken, heute nicht mehr einzusteigen, da die Aussicht den Klemmblock, etwas über der Hälfte der 1000 Meter hohen Wand, der als Biwakplatz nach dem ersten Tag dienen sollte, noch bei Licht zu erreichen nicht mehr sehr groß war. Wir waren auch nicht heiß darauf irgendwo mitten in den glatten Granitfluchten die Nacht verbringen zu müssen. So beschlossen wir, am nächsten Tag mit leichtem Gepäck in die Wand einzusteigen und so bis zum frühen Nachmittag zu klettern und uns dann wieder abzuseilen, was bis zu einem bestimmten Punkt, einem Pendelquergang nach 2/3 der Wand möglich sein sollte.
Wir haben den Nachmittag dann in der Sonne am Wandfuß verbracht. Andy und ich haben dann mal den Einstieg erkundet, und die ersten paar Längen schienen auch nicht so steil und schwierig zu sein. Wir hatten ja Benzinkocher und ein buntes Sortiment an Nahrungsmitteln mitgebracht, und Andy hat einige ganz eigenwillige Menue-Kreationen zu Stande gebracht. Und nach dem Genuss der tollen Abendstimmung haben wir uns dann zum Schlafen gelegt. Des Nächtens ist es dann aber ganz schön kalt geworden, vor allem vom Boden her, da wir ja darauf verzichtet hatten Iso-Matten mitzunehmen. Andy und Olivier hatten da noch den Vorteil sich auf die Seile gelegt zu haben, ich hab mir dann mitten in der Nacht noch einen leeren Rucksack gesucht auf den ich mich dann gelegt habe, aber so richtig super warm war mir dann auch nicht. Aber irgendwann in der Früh, noch vor den ersten Lichtstrahlen haben wir dann eh schon begonnen uns ein kleines warmes Frühstück zu kochen, Isostar-Getränk als Wasserersatz, ein bisschen Müsli und wenn ich mich richtig erinnere ein Säckchen Instant-Suppe, und das alles in einem Topf, ja das war lecker :-(
Mit dem ersten Tageslicht erreichten wir den Einstieg zu unserer Tour, dort legten wir unsere Kletterausrüstung an und deponierten die schweren Bergschuhe. Die ersten paar Meter, praktisch den Vorbau vom Vorbau, waren schnell hinter uns gebracht und wir erreichten den eigentlichen Einstieg. Einige Seillängen führten über den ersten Teil der Wand über geneigte Granit-Platten und -Verschneidungen, bis sich danach die Westwand bedrohlich senkrecht in die Höhe reckte. Meine Hoffnung ,dass sich die Wand, wie oft in den Dolomiten, etwas zergliedern und aus der nähe Betrachtet doch etwas zurücklehnen würde, wurde leider nicht erfüllt. In den folgenden Längen wurde die Kletterei zusehends schwieriger und steiler. Für mich war diese Granitkletterei reichlich ungewohnt, hatte ich das Vergnügen vorher ja noch nicht so richtig genossen, und das ist sicher nicht optimal wenn man in eine solche Tour einsteigt. Die Eindrücke während dieser Kletterei waren wirklich grandios, rund um uns zogen die spiegelglatten Granitwände senkrecht nach unten. Eine solche Ausgesetztheit hatte ich zuvor noch nicht erlebt. Ich erinnere mich noch an eine Kletterstelle die ich ganz besonders lustig fand, zumindest im nachhinein. Es war ein einige Meter langer Faustriss á la Yosemity, links und rechts nur eine glatte senkrechte Granitplatte, im Klettergarten wäre ich sicher begeistert gewesen einmal so was klettern zu können, aber unter diesen Umständen war es schon eine sehr sehr interessante Angelegenheit, die Hände verklemmt, die Füße verklemmt, und unterm Hintern einige hundert Meter Luft - learning by doing! Sehr beeindruckend war auch eine senkrechte 50 Meter lange Verschneidung, die zum Großteil in Piaz-Technik zu klettern war, da hats uns die Unterarme ganz schön aufgeblasen.
Wir kletterten bis kurz nach 13 Uhr, und waren ca. 16 Seillängen geklettert, und da wir ja auch diese wieder Abseilen mussten und das sicher auch einige Zeit dauern würde, beschlossen wir jetzt umzukehren. Und so begannen wir Seillänge für Seillänge wieder abzuseilen und kurz nach 17 Uhr waren wir wieder bei unserem Biwakplatz und stopften unsere Ausrüstung in unsere Rucksäcke, und begannen einen zügigen Marsch zur Bahnstation der Montentvers-Bahn über dem Mer de Glace. Wir hatten schon alle Hoffnung auf eine Bahn nach Chamonix aufgegeben und uns auf weitere 2 Stunden Fußmarsch eingestellt als wir die Bahnstation erreichten. Doch das Glück belohnt den Fleißigen, und so erfuhren wir durch Zufall, dass eine Reisegesellschaft um 19 Uhr herauf fahren würde, um im dortigen Restaurant zu speisen. Wir konnten dann mit dieser Bahn ins Tal fahren, und das beste daran war, dass wir nicht mal was zu bezahlen brauchten.
Bei Andys Schwiegermutter genossen wir an diesem Abend ein vorzügliches Mahl mit Blick auf Montblanc, Mont Maudit, Mont Blanc du Tacul, Aiguille du Midi und die Aiguilles de Chamonix.
An diesem Tag wollte ich mit Olivier, einem Freund von Andy, den Cosmique Grat auf die Aiguille du Midi klettern. Zu den physischen und psychischen Anforderungen der letzten Tage sollte dies ein kleines Entspannungsprogramm werden.
Doch als wir am Vormittag zur Talstation der Seilbahn fuhren, wurde uns schnell klar dass wir unser vorhaben heute wohl nicht in die Tat umsetzten würden. Eine gewaltige Menschentraube schaarte sich um den Eingang und am Platz davor. So fuhren wir wieder heim. Dort beschlossen wir, gemeinsam mit Carine und Francoise, den Freundinnen von Andy und Olivier in einen Klettergarten zu gehen. Die Wahl fiel auf Le Chapeau, einem Reibungsklettergarten oberhalb von Lavancher.
Nach kurzem Zustieg erreichten wir den Klettergarten. Wir kletterten einige Touren und Genossen den schönen Ausblick aufs Mer de Glace. Die Routen bieten Reibungskletterei vom Feinsten und ist recht gut abgesichert. So verbrachten wir den Rest des Tages mit Klettern.
Nach einigen Tagen in Chamonix, begleitete ich Andy und Carine nach Grenoble, wo sie in einem kleinen Dorf in der Nähe der Stadt, ihre Wohnung hatten. Da Andy arbeiten musste, vertrieb ich mir die Zeit anderweitig.
Carine nahm sich die Zeit um gemeinsam eine Klettertour in Prelles zu unternehmen. Dieses Klettergebiet ist wirklich sehr schön. Felswände "stürzen" senkrecht in den Himmel. Ähnlich wie in Verdon, lediglich muss man hier nicht vorher über die Tour abseilen, sondern geht über Wanderwege zum Wandfuß.
Wir entschieden uns für "Point trop n'en faut", eine Klettertour im oberen sechsten Schwierigkeitsgrat, die großteils selbst abzusichern war. So machten wir uns behängt mit Friends und Klemmkeilen daran ein wenig in der Senkrechten zu wandern. Der Fels ist wirklich sehr schön in diesem Gebiet, und die Sonne schien uns auf den Rücken, eine wirklich lustige Angelegenheit. Soweit ich mich erinnere war die Tour wirklich schön, die Schlüsselstelle ein kleiner Überhang, über den man schräg nach rechts queren musste, und im oberen Teil war noch mal ein steiles stück wo man nicht die Übersicht verlieren durfte, denn der rettende Griff war etwas versteckt auf der rechten Seite. Jedenfalls war es ein wirklich schöner Klettertag.
An einem anderen Tag führte es mich mit Andy noch mal nach Prelles, und wie immer mit ihm ging's diesmal etwas härter zur Sache. "Coucou nous Revoilou" hieß die Tour die wir heute klettern wollten, und mit Seillängen im unteren 8ten Schwierigkeitsgrad schon recht anspruchsvoll.
Ich erinnere mich Anfangs über steile, schön zu kletternde Platten, eine tolle 90 Grad Verschneidung kletterten. Die Schlüsselseillänge hatte neben der technischen Schwierigkeit, auch noch ein weiteres Problem aufzubieten. Andy konnte im Vorstieg das Seil bzw. die Seile, da wir mit Halbseil kletterten, kaum noch nachziehen, da der Routenverlauf unten einen einige Meter langen Quergang nach links vorsah und dann nach rechts oben zurück querte. Da musste sich Andy ganz schön plagen, ich wusste seine Leistung sehr zu schätzen, ich hatte im Nachstieg schon ganz schön zu kämpfen um diese Länge zu bewältigen.
Danach ging es aber wieder etwas gemäßigter weiter, und wir genossen die steile griffige Plattenklettrei.
![]() viel Luft unterm Hintern! |
![]() the wall |
![]() ich in Coucou nous Revoilou |
![]() Berge in Flammen (Dophinee) |
![]() Tete de Fetoules Ostgrat |
![]() ich in Coucou nous Revoilou |